Comeback des Filmstars

Wie Hollywood Johnny Depp eine zweite Chance gibt

07. November 2026 , 06:00 Uhr

Nach dem Rechtsstreit mit Amber Heard verschwand Depp aus den großen Hollywood-Produktionen - bis jetzt. Für seine Rückkehr in einem neuen Film setzt das Studio auf eine besondere Comeback-Kampagne.

Es ist schon bemerkenswert, dass Johnny Depp ausgerechnet mit der Rolle des Griesgrams Ebenezer Scrooge sein Hollywood-Comeback feiert. Im Klassiker «A Christmas Carol» von Charles Dickens sind für den geizigen Geschäftsmann Scrooge Gefühle und Warmherzigkeit gerade in der Weihnachtszeit reine Zeitverschwendung, ehe ihn Weihnachtsgeister aufsuchen und ihn über Nacht zu einem großzügigen Menschen machen.

Scrooge bekommt also eine zweite Chance – ähnlich wie Depp, der jetzt in der düster anmutenden Dickens-Adaption «Ebenezer – Eine Weihnachtsgeschichte» in seiner ersten großen Hollywoodrolle seit dem schlagzeilenträchtigen Gerichtsstreit mit seiner Ex-Frau Amber Heard zu sehen ist. Die beiden hatten sich vor Gericht gegenseitig der körperlichen Misshandlung beschuldigt. Nach einem sechswöchigen Verleumdungsprozess hatte der Schauspieler im Juni 2022 einen weitgehenden Sieg davongetragen.

Seitdem war Depp aber lediglich in Filmen abseits des Mainstreams zu sehen. Jetzt kehrt der «Fluch der Karibik»-Star nicht nur als Scrooge wieder in das Rampenlicht der großen Hollywood-Studios zurück. Für 2027 ist bereits der Thriller «Day Drinker» mit ihm und Penélope Cruz angekündigt. Kürzlich äußerte er sich zudem dazu, unter welchen Bedingungen er sich möglicherweise wieder an der «Fluch der Karibik»-Reihe beteiligen würde.

Depps Comeback zeigt, wie manche Stars einen Skandal überstehen können, wenn Hollywood sie braucht. Wie kam es dazu – und wie wird es inszeniert?

Ist Depp «zu groß für einen Boykott»?

Aus Sicht der US-amerikanischen Zeitung «The New York Sun» lässt die Branche Depp nicht fallen, weil er «too big to Boycott» sei, also zu groß, um ihn zu boykottieren. Die Filmbranche liebe nichts mehr als Geschichten von Wiedergutmachung für ihre Lieblingsstars. Weniger bekannte Namen dürften dagegen härter getroffen werden. Doch wer Studios oder Modehäusern über Jahre viel Geld eingebracht habe, sei dagegen buchstäblich zu groß, um zu scheitern.

Tatsächlich gehörte Depp zu den Topverdienern Hollywoods, bis seine Karriere im Zuge der Folgen seiner Scheidung von Heard und des Rechtsstreits zeitweise einbrach. So war er 2020 in «Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse» ersetzt worden. Nach dem Ende des Gerichtsprozesses verschwand er zunächst aus Blockbustern. 2023 spielte er in dem französischen Kostümdrama «Jeanne du Barry» mit, das die Filmfestspiele in Cannes eröffnete, 2024 stellte er sein zweites Regiewerk «Modi» vor. 

Dass er nun wieder eine Chance hat, in Produktionen der Hollywood-Studios Fuß zu fassen, liegt laut der Filmwissenschaftlerin Miranda Banks vor allem daran, dass die Unterhaltungsindustrie das Comeback brauche. Es mangele «unglaublich an überzeugenden A-List-Stars, die Filme weltweit zum Erfolg führen können», sagte sie der «New York Times». 

Trailer inszeniert Depp als «Meister der Außenseiter»

Wie viel Aufwand für Depps Rückkehr in den Film-Mainstream betrieben wird, zeigt auch das Marketing von Paramount Pictures zum Film «Ebenezer – Eine Weihnachtsgeschichte» (Regie: Ti West), in dem Rupert Grint, Daisy Ridley und Ian McKellen mitwirken. Die «New York Times» bezeichnet sie als die «größte Hollywood-Comeback-Kampagne seit langem». Das Studio macht keinen Hehl daraus, Depp als eine Art Rückkehrer zu inszenieren.

In einem Filmtrailer sieht man den Künstler, wie er als Scrooge durch die verschneiten Straßen läuft. In Anspielung auf seine bekanntesten Rollen wird er dabei so beschrieben: «Er brachte uns Jack Sparrow, Edward mit den Scherenhänden und den verrückten Hutmacher.» Jetzt kehre der «Meister der Außenseiter» zurück.

Depp selbst schaut als Scrooge dann in Richtung Kamera und sagt: «Es ist gut, zurück zu sein». Während viele Kommentare unter dem Video positiv ausfielen, äußerten sich andere auch kritisch dazu. Der britische «Guardian» schrieb zum Beispiel, der Trailer sei ein außergewöhnlicher PR-Schachzug und die Kontroversen um den Star gerieten in Vergessenheit.

Depps überzeichnetes Schauspiel als Markenzeichen

Der Trailer zeigt jedenfalls, wie stark das Studio offenbar auf die Wirkung seines Stars setzt. Das machte auch ein überraschender Auftritt im Sommer deutlich, als Depp – verkleidet als Scrooge mit Zylinder, reichlich Make-up, grauem Bart und Gehstock – auf der Comic-Con-Messe im kalifornischen San Diego erschien. Im Stil seiner Figur fragte er mit grimmiger Miene die Zuschauer etwa, ob sie denn keine Arbeit hätten. Ausschnitte des Auftritts sah man anschließend öfter in den sozialen Medien.

Doch der Werbetrommel zum Trotz bleibt eine Frage rund um den Filmstart noch offen: Wird auch das Publikum an den Kinokassen dem neuen Depp-Projekt eine zweite Chance geben? Der «Guardian» hält dem Film zugute, dass er das zu bieten scheine, was man von einer Mainstream-Rolle des Schauspielers erwarte. Depps Scrooge sei eine «übertriebene Karikatur». Auch die «Süddeutsche Zeitung» schließt ein erfolgreiches Comeback nicht aus. Dass es gelinge, sei nicht unwahrscheinlich, zumindest wenn er sich vorerst auf «zwielichtige, karikaturesk überzeichnete Figuren» konzentriere – wie Scrooge es eben sei.

Quelle: dpa

 

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