Diplomatie

Wadephul: Aktuell kein Anlass für Sanktionen gegen Israel

10. Juni 2026 , 15:55 Uhr

Wegen Israels Siedlungspolitik und eines von Polizeiminister Ben-Gvir veröffentlichten Videos zu Aktivisten einer Gaza-Hilfsflotte gibt es Empörung. Die Bundesregierung bleibt bei ihrer Linie.

Außenminister Johann Wadephul sieht aktuell keinen Anlass für weitere Sanktionen gegen Israel oder einzelne Minister der israelischen Regierung. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Bundesregierung der Auffassung, dass unsere Stimme in Israel gehört wird. Und dass andere Maßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht geboten sind», sagte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seiner ungarischen Amtskollegin Anita Orbán in Berlin. 

Wadephul war gefragt worden, ob die EU-Außenminister bei ihrem Treffen am Montag nächster Woche über neue Sanktionen gegen Israel diskutieren würden oder ob die Bundesregierung Sanktionen etwa gegen israelische Minister erwäge. Der Minister antwortete, die Bundesregierung stimme sich bei diesem Thema eng europäisch ab. Er sei nicht sicher, dass das Thema etwa bei den EU-Außenministern auf der Tagesordnung stehen werde. 

Wadephul: Haben klare Position zu internationalem Recht

Die Bundesregierung habe «eine klare Position zum internationalen Recht», sagte Wadephul. Man habe der israelischen Regierung «eindeutig gesagt, dass wir der Meinung sind, dass diese illegale Siedlungspolitik nicht so fortgesetzt werden soll». Darauf mache man auch weiterhin aufmerksam. 

Neben der israelischen Siedlungspolitik im Westjordanland sorgt seit Tagen ein von Israels Polizeiminister Itamar Ben-Gvir verbreitetes Video international für Empörung, das festgenommene Aktivisten einer von Israel Mitte Mai in internationalen Gewässern nahe Zypern gestoppten Hilfsflotte in demütigender Weise zeigte. Nachdem auch Italiener betroffen waren, hatte die italienische Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen Ben-Gvir eingeleitet. Auch in Frankreich wird wegen des Vorgehens gegen die Aktivisten ermittelt. Sowohl Israels Außenminister Gideon Saar als auch Regierungschef Benjamin Netanjahu hatten sich vom Verhalten des Polizeiministers distanziert.

Quelle: dpa

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