Nach der heftigen Sturzflut in der Gebirgsregion von Nepal sind nach Behördenangaben mindestens 72 Menschen gestorben. Laut dem Sprecher der nepalesischen Polizei, Abi Narayan Kafle, suchen die Such- und Rettungskräfte weiterhin nach einer unbekannten Anzahl von Vermissten. Bislang hätten die Such- und Rettungskräfte 72 Leichen gefunden. Die Suche dauere noch an, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Unter den Vermissten sind auch Hunderte Reisende. Insgesamt würden 384 Touristen, darunter mehr als 290 Ausländer etwa aus Deutschland, den USA und Spanien vermisst, sagte der leitende Beamte Santosh Panta von der nationalen Tourismusorganisation Nepal Tourism Board der Deutschen Presse-Agentur in Kathmandu.
Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren. Der Großteil der Vermissten stammt demnach aus dem Nachbarland Indien.
Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, dass die deutsche Botschaft in Kathmandu mit den lokalen Behörden in engem Kontakt stehe. «Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Auswärtige Amt keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen», hieß es aus Berlin weiter.
Auch Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von Befürchtungen über zahlreiche Opfer und Vermisste am Grenzübergang im Kreis Gyirong im Südwesten der Region Tibet. China entsandte demnach zahlreiche Rettungskräfte mit schwerem Gerät in das Gebiet, rief eine erhöhte Katastrophenwarnstufe aus und stellte der Region Hilfsgelder zur Verfügung.
Nach Berichten der Zeitung «The Kathmandu Post» und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Unter anderem seien Häuser und Brücken weggespült oder beschädigt worden.
Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus.
Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Nicht ausgeschlossen wurde, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch dazu geführt haben könnte. Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen.
Die Schlammlawine habe die Straßen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.
Quelle: dpa