Im Block-Prozess hat die Hauptermittlerin die Aussagen der Kinder bei der Polizei als glaubhaft bezeichnet. «Es wirkte glaubhaft, was die Kinder erzählt haben», sagte die Zeugin vor dem Landgericht Hamburg zu den Befragungen, die die Ermittler zu der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 führten.
Verteidiger David Rieks hatte zuvor von der Kriminalbeamtin wissen wollen, ob sie sich bei den unterschiedlichen Vernehmungen im Jahr 2024 bewusst gewesen sei, dass sich die Kinder in einem «Loyalitätskonflikt» befunden haben könnten. Das sei bei Kinderzeugen immer so, entgegnete die 44-Jährige.
Sie habe die Kinder bei ihren Antworten aber nicht gefragt, ob sie nach der Rückkehr nach Dänemark eventuell von der Seite des Vaters beeinflusst worden seien. «Das setzt die Kinder wahnsinnig unter Druck», erklärte die Frau. Sie habe den Jungen (damals 10) und seine Schwester (13) darauf hingewiesen, dass sie nur das erzählen sollten, was sie selbst erinnern. Sie habe dem Vater und seiner neuen Ehefrau zudem mitgeteilt, dass sie den Kindern beispielsweise keine Lichtbilder aus den Akten zeigen sollten.
Der Unternehmerin Christina Block wird vorgeworfen, nach einem eskalierten Sorgerechtsstreit einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Ex-Mannes Stephan Hensel in Dänemark erteilt zu haben. Die 53-Jährige ist die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block. Sie bestreitet die Vorwürfe der Anklage.
Es gibt in dem aktuellen Prozess insgesamt sieben Angeklagte. Darunter ist auch Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Die Kinder waren in der Silvesternacht 2023/24 in ein Auto gezerrt, erst nach Süddeutschland und dann nach Hamburg gebracht worden. Gegen weitere Beschuldigte in dem Fall wird ermittelt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Dellings Anwalt Rieks nannte der Ermittlerin ein Beispiel aus den schriftlich vorliegenden Aussagen des Sohnes. Anfang Januar 2024 habe der Junge noch gesagt, er wisse nicht, in welcher fremden Sprache die mutmaßlichen Entführer gesprochen hätten, sagte der Verteidiger. Im Oktober 2024 bei einer längeren Vernehmung habe das Kind dann erzählt, sie hätten «Israelisch» gesprochen. «Ich weiß, wie sich das anhört», soll der Junge gesagt haben. Die Männer hätten alle den gleichen «Entführungsjob» und seien von einer Firma gewesen, die seine Mutter engagiert habe.
Ob ihr aufgefallen sei, dass sich diese Aussage verändert habe, wollte Rieks wissen. Das zeigten ja die vielen Nachfragen der Ermittler auf diese Äußerung, sagte die Beamtin. Doch sie wüssten nicht, woher er das habe. Solche Informationen könnten auf verschiedenen Wegen – etwa aus dem Fernsehen – zu dem Jungen gelangt sein.
Der Vormittag des 59. Prozesstages war geprägt von einem Streit um die Aussagegenehmigung der Hauptermittlungsführerin. Die Verteidigung pochte weiter darauf, dass die Frau auch zu parallelen Verfahren in dem Fall aussagen dürfe. Die Zeugin hatte bei vorherigen Prozesstagen zahlreiche Fragen mit der Begründung nicht beantwortet, dass sie für diese Bereiche keine Aussagegenehmigung habe.
Man brauche die «Erkenntnisse aus dem Gesamtkomplex», sagte Verteidigerin Gül Pinar, die einen deutschen Sicherheitsunternehmer vertritt. Die Zeugin sei lange mit dem Fall betraut gewesen und kenne auch die Ermittlungen gegen andere Personen, die in dem aktuellen Prozess nicht vor dem Landgericht Hamburg stehen.
Die Kammer lehnte es erneut ab, sich bei der zuständigen Behörde für eine Erweiterung dieser Genehmigung einzusetzen. Das löste mehrmals heftige Diskussionen zwischen den Beteiligten aus, der Prozess kam nur langsam voran.
Der Fall Block hat eine lange Vorgeschichte: Im August 2021 hatte der Vater den Jungen und das Mädchen, die damals bei ihrer Mutter in Hamburg lebten, nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch zurück nach Hamburg gebracht. Er erhob Gewaltvorwürfe, die nach Angaben von Christina Block nicht stimmen. Sie gibt an, ihr Ex-Mann habe die Kinder manipuliert.
Gegen Hensel läuft auch ein Verfahren wegen Kindesentziehung, gegen seine neue Ehefrau wegen Beihilfe. Es gehört zu den Bereichen, für das die Kriminalbeamtin keine Aussagegenehmigung hat. «Zu diesem Verfahren darf ich nichts sagen», sagte die Zeugin wiederholt. Blocks Verteidiger, Ingo Bott, bezeichnete das im Gerichtssaal als «völlig absurd».
Die Vorsitzende Richterin, Isabel Hildebrandt, bat die Hauptermittlerin zum Abschluss des Prozesstages, sich ab Mitte August für weitere Befragungen der Verteidiger noch einmal sechs Tage freizuhalten. Die Verhandlung wird an diesem Montag fortgesetzt.
Quelle: dpa