Erntedank in Bayern

So lief die Ernte für Bauern, Winzer und Hopfenpflanzer

30. September 2026 , 04:30 Uhr

Ob Getreide, Kartoffeln, Kirschen, Wein - Hitze und Trockenheit hinterließen überall teils deutliche Spuren. Eine Bestandsaufnahme zum Erntedankfest.

Freilich, es gibt eine Menge Folklore rund um den Erntedank-Sonntag in Bayern: Feste mit Erntekronen, Erntedank-Altäre in den Kirchen, Festzüge. Und das, obwohl die meisten Menschen im Freistaat mit der Landwirtschaft überhaupt nichts mehr zu tun haben. Die Zeiten, als in jedem Dorf zig Höfe betrieben wurden, sind vorbei. Seit Jahrzehnten sinkt die Zahl der Bauernhöfe. Beispiel: Nach Angaben des Landesamts für Statistik ging allein die Zahl der Höfe mit Rindern seit 2016 um 22,9 Prozent auf 36.898 zurück. Die verbliebenen Betriebe wuchsen allerdings – von durchschnittlich 67 auf 73 Tiere.

Erntedank an diesem Sonntag (4. Oktober) sei ein «großes Dankeschön an unsere Bäuerinnen und Bauern und ihre Familien», sagt Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Denn: «Ein voller Tisch wirkt für uns oft selbstverständlich. Aber das ist er nicht. Hinter jedem Laib Brot, jedem Glas Milch und jedem Apfel stehen Natur, Wetter und vor allem Menschen, die mit viel Arbeit und Leidenschaft dafür sorgen, dass wir jeden Tag hochwertige Lebensmittel haben.» Genau daran erinnere Erntedank.

Das Jahr in der Landwirtschaft war bisher geprägt von großer Hitze und Trockenheit. Wie lief es in den einzelnen Sparten?

Getreide

Das Landesamt für Statistik schätzte zuletzt die diesjährige Erntemenge auf lediglich 5,6 Millionen Tonnen, das sind knapp 13 Prozent weniger als 2025. Damit zähle dieses Jahr für die Landwirte zu den drei schlechtesten der vergangenen Jahrzehnte: Lediglich 2024 und im Jahrhundertsommer 2003 waren die Ernten laut Landesamt noch niedriger. 

Besonders stark traf es demnach den Winterweizen, die Erntemenge ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Viertel eingebrochen. 

Mit der Qualität des Brotgetreides – hier werden vor allem Weizen und Roggen vermahlen – zeigten sich Experten jedoch zufrieden. Gleiches gilt für die Braugerste. 

Kartoffeln

Auch die Kartoffelernte stehe in diesem Jahr unter schwierigen Vorzeichen, heißt es aus dem Ministerium: «Trockenheit und hohe Temperaturen haben die Bestände belastet und führen zu unterdurchschnittlichen Erträgen.» Nach dem Rekordjahr 2025 mit hohen Erträgen, aber sehr schwachen Preisen bleibe die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe angespannt. 

Hinzu kämen Pflanzenkrankheiten wie Stolbur und SBR, die regional erhebliche Schäden verursachen könnten. 

Die Anbaufläche für Kartoffeln ist 2026 um rund vier Prozent auf etwa 37.400 Hektar gesunken. Betroffen waren laut bayerischem Bauernverband vor allem Verarbeitungs- und Speisekartoffeln, während die Fläche für Stärkekartoffeln zulegte. 

Hopfen

Wer auf der A9 Richtung München fährt, kann den bayerischen Hopfen nicht übersehen, säumen doch etliche Felder die Autobahn. Die Hopfenpflanzer erwarten eine Ernte unter dem Durchschnitt, schreibt das Ministerium: «Gleichzeitig setzen der sinkende Bierabsatz und ein weiterhin überversorgter Hopfenmarkt die Betriebe wirtschaftlich unter Druck.» Die geringere Erntemenge könne allerdings dazu beitragen, «Angebot und Nachfrage wieder stärker ins Gleichgewicht zu bringen».

Das Jahr 2026 habe «uns leider wieder einmal drastisch vor Augen geführt, dass der Klimawandel enorme, ja existenzielle Schwierigkeiten verursachen kann», sagte der Chef des Verbandes der deutschen Hopfenpflanzer, Adi Schapfl, Ende August. 

Wein

Die fränkischen Winzerinnen und Winzer müssen sich heuer mit einem mageren Ertrag zufriedengeben – im Schnitt 55 Hektoliter je Hektar. Im Jahr zuvor waren es noch 72 Hektoliter, 2024 etwa 57. 

Der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 66,9 Hektolitern. Trockenheit und große Hitze setzten nach Angaben des Fränkischen Weinbauverbands den Trauben zu – und das spiegelt sich dann auch in der Erntemenge wider. Die Preise dürften trotz aller Herausforderungen stabil bleiben.

Die Anbaufläche für Wein in Franken erstreckt sich in etwa von Bamberg bis Aschaffenburg. Insgesamt gibt es eine Ertragsrebfläche von rund 5.800 Hektar – 200 Hektar weniger sind bestockt als noch im Vorjahr (Stand: 1. August 2026).

Obst

Im Obstbau falle die Bilanz gemischt aus, berichtet das Landwirtschaftsministerium. Bei den Erdbeeren etwa liege die Ernte wohl unter der Vorjahresmenge. Äpfel werden derzeit noch geerntet – deshalb ist noch keine Bilanz möglich. Doch auch hier dürfte die Trockenheit Auswirkungen haben. Bei den Süßkirschen sei die Ernte dagegen erfreulich ausgefallen. Deren Ernte war bereits über der Bühne, als das trockene und heiße Wetter einsetzte.

Kirschen werden in Bayern vor allem in der Fränkischen Schweiz und in Unterfranken angebaut. Die Fränkische Schweiz gilt als eines der größten zusammenhängenden Kirschanbaugebiete in Europa mit rund 250.000 Kirschbäumen auf 25 Quadratkilometern.

Quelle: dpa

 

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