Verfolgungsfahrt mit SEK

Angeklagter räumt Schüsse auf Polizei vor Gericht ein

19. Oktober 2026 , 10:43 Uhr

Die Polizei will eine Wohnung durchsuchen. Zwei junge Männer flüchten in einem Auto und schießen auf das Polizeiauto, das sie verfolgt. Wie sie sich vor Gericht rechtfertigen.

Ein Angeklagter hat vor Gericht Schüsse auf die Polizei während einer Verfolgungsfahrt in Mittelfranken eingeräumt. Er habe damit den Wagen der Verfolger fahruntauglich machen wollen, ließ der 25-Jährige seinen Verteidiger vor dem Landgericht Ansbach mitteilen. «Ich wollte keinen Insassen treffen», hieß es in seiner schriftlichen Erklärung. 

Der 25-Jährige und ein 24-Jähriger sind in dem Prozess wegen versuchten Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Türken vor, bei einer geplanten Durchsuchung wegen Drogen in Absberg (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) mit einem Auto davongerast zu sein und mindestens sechsmal auf ein Zivilfahrzeug des Spezialeinsatzkommandos geschossen zu haben, das die beiden verfolgte. 

Ein Schuss schlug laut Anklage dabei in der Motorhaube des Polizeiwagens ein. Die Flucht endete nach etwa 20 Kilometern in Weißenburg, als das Auto der Verdächtigen mit einem anderen Wagen zusammenstieß. 

SEK-Beamte kommen maskiert ins Gericht

Die beiden Angeklagten gehören nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zwei kriminellen Vereinigungen in der Türkei ein. Die eine soll eine Untergruppe der «Daltons» sein, die andere mit diesen zusammenarbeiten. Die «Daltons» sind bekannt für ihr brutales Vorgehen und die Rekrutierung junger Mitglieder übers Internet. 

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Schüsse auf die Polizei auch dazu dienten, dem Anführer der «Daltons»-Untergruppe die Flucht zu ermöglichen. Dieser hatte sich demnach ebenfalls in der Wohnung aufgehalten. 

Am ersten Prozesstag erklärten beide Männer, keiner kriminellen Gruppierung anzugehören. Da es sich um Zivilfahrzeuge gehandelt habe, seien sie nicht davon ausgegangen, dass es die Polizei gewesen sei, die die Straße blockiert und sie dann verfolgt habe. «Ich war überzeugt, dass es sich um einen Anschlag meiner Feinde handelt», verlas der Verteidiger des 25-Jährigen aus dessen schriftlicher Erklärung. 

Acht Zeugen sollten am ersten Prozesstag aussagen, darunter mehrere SEK-Beamte. Diese sollten aus Sicherheitsgründen maskiert in den Gerichtssaal kommen und mussten ihre Personalien nicht nennen. Bis Mitte November sind fünf weitere Verhandlungstage geplant.

Quelle: dpa

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