Zum 20. Todestag von Showmaster Rudi Carrell (1934–2006) hat dessen Tochter Annemieke Kesselaar über ihren Vater und dessen Rollenverständnis von Männern und Frauen gesprochen. «Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der Emanzipation und Feminismus glücklicherweise an Bedeutung gewannen. Und ich hatte einen Vater, an dem die Emanzipation vorbeigegangen ist», sagte sie der Zeitschrift «Bunte».
Der Niederländer Carrell, der in den 1940ern Jahren aufgewachsen ist, habe sich in Bezug auf Frauen als «Jäger und Sammler» gefühlt. «Seine Lebensvorstellung war: Die Frau sorgt dafür, dass zu Hause alles schön ist – den Rest würde er schon erledigen», sagte Kesselaar. Das sei nicht immer leicht für sie gewesen.
Zugleich bezeichnete sie ihren berühmten Vater als sehr tolerant. Er habe ihr schon sehr früh beigebracht, dass die Deutschen nicht anders seien als die Niederländer. «Das war in niederländischen Familien wegen des Krieges nicht überall so. Da gab es viele Vorurteile, was die Deutschen betrifft.» Er habe ihr gesagt: «Annemieke, hier in Deutschland gibt es genauso viele Arschlöcher und genauso viele nette Leute wie in anderen Ländern auch.»
Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, mit einem Mann wie ihrem Vater verheiratet zu sein, sagte Kesselaar allerdings: «Eigentlich eher nicht. Andererseits: Ich bin seit 46 Jahren glücklich mit meinem Mann. Und der hat bestimmte Eigenschaften, die mein Vater auch hatte.»
Rudi Carrell war am 7. Juli 2006 im Alter von 71 Jahren an Krebs gestorben. Carrell, der unter anderem den Spielshowklassiker «Am laufenden Band» moderierte, gehörte in Deutschland neben Entertainern wie Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff und Thomas Gottschalk zur Topgarde der Showmaster.
Quelle: dpa