Justiz

Verurteilter Holocaustleugner erneut vor Gericht

07. September 2026 , 11:47 Uhr

YouTube hatte ihn nach mehreren Strafverfahren gesperrt – danach soll der 71-Jährige auf Telegram weiter antisemitische Hetze und Gewaltaufrufe verbreitet haben. Jetzt steht er wieder vor Gericht.

Er soll den Holocaust als «groteskes Märchen» bezeichnet und behauptet haben, dass hinter dem Anschlag auf das World Trade Center und hinter der Corona-Pandemie jüdische Angriffe steckten. Außerdem rief er laut Anklage zum Mord an Juden auf. Vor dem Landgericht München II hat ein neuer Prozess gegen einen verurteilten Holocaust-Leugner begonnen.

Das 71-Jährige aus Tutzing soll – seitdem YouTube ihn wegen vorheriger Strafverfahren und einschlägiger Verurteilungen gesperrt hat – auf Plattformen wie Telegram Verschwörungsmythen verbreiten und den Mord an sechs Millionen Juden durch das Nazi-Regime leugnen und gleichzeitig auch tödliche Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens befürwortet und sogar gefordert haben. 

Angeklagter zeigte Hitlergruß – Hände gefesselt

In der seitenlangen Anklage sind Gewaltaufrufe, brutale, antisemitische Beschimpfungen und Verschwörungsmythen aufgelistet, die der Mann verbreitet haben soll. Immer wieder nickt der 71-Jährige, wenn seine Zitate vorgelesen werden, oder er reckt den Daumen in die Höhe – zumindest so weit es geht. Die Hände des Mannes, der auch immer wieder den Hitlergruß gezeigt haben soll, sind mit Handschellen an einem Gürtel befestigt. 

In seinem Podcast hatte er laut Anklage dazu aufgefordert, Juden zu jagen und zu «neutralisieren». Er sagte demnach, sie «verdienen es nicht, am Leben zu bleiben», begrüßte es, sie «aufzuspüren und zu töten» und forderte «die totale Ausrottung». Den Holocaust habe er als Aberglauben bezeichnet – und gleichzeitig bedauert, dass bei dem historischen belegten Massenmord nicht alle Juden getötet wurden. 

Die Generalstaatsanwaltschaft München wirft dem 71-Jährigen, der die Verhandlung auch nutzte, um seine kruden Theorien zu verbreiten und von einer «Inquisition» gegen ihn zu sprechen, unter anderem Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen in Dutzenden Fällen vor. Das Gericht hat zehn Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte damit am 21. Oktober gesprochen werden.

Quelle: dpa

 

Das könnte Dich auch interessieren

10.09.2026 Jugendlicher wegen Terrorverdachts vor Gericht Ein 16-Jähriger muss in Augsburg wegen Planung eines Anschlags vor Gericht. Ihm werden schwere Straftaten vorgeworfen. Das Verfahren läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. 22.08.2026 Angriff wegen Israel-Anstecker? Verdächtiger in Klinik Nach der Attacke auf ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft nahe Würzburg kommt der Verdächtige zunächst in U-Haft. Doch da bleibt er nicht. 20.08.2026 Anschlag auf jüdisches Heim – «Antisemit mit Hitler-Tick» Jahrzehnte war der Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim in München 1970 ungeklärt. Nun legen sich die Behörden auf einen Verdächtigen fest: ein glühender Antisemit, der von Hitler fasziniert war. 20.08.2026 Ermittler: Einzeltäter legte Brand in jüdischem Altenheim 56 Jahre nach dem Brandanschlag auf ein jüdisches Seniorenheim in München mit sieben Toten macht die Generalstaatsanwaltschaft München einen rechtsextremen Einzeltäter dafür verantwortlich. Anhaltspunkte für eine Beteiligung weiterer Personen gebe es nicht, hieß es in einer Mitteilung der Behörde. Quelle: dpa