Raubkunst

Pinakotheken geben Raubkunst-Gemälde zurück

30. März 2026 , 13:05 Uhr

Lange schon steht Bayern wegen seines Umgangs mit Nazi-Raubkunst in der Kritik. Jetzt veröffentlichen die Pinakotheken in München ein Positivbeispiel.

Die Pinakotheken in München geben ein Raubkunst-Gemälde an die rechtmäßigen Besitzer zurück. Dabei handelt es sich um das Bild «Interieur mit Kindern (Die Geschwister)» des jüdischen Malers Lesser Ury (1861–1931). Es geht nun an die Erben des Berliner Bankiers Curt Goldschmidt.

Das Bankhaus war infolge der Repressionen durch die Nationalsozialisten pleitegegangen, der Besitz der jüdischen Familie wurde vom Konkursverwalter versteigert – darunter auch das Gemälde mit einem Schätzpreis von 800 Reichsmark. 

Kunstsammler verlor Vermögen und floh

Goldschmidt selbst floh 1937 nach Paris und lebte während der deutschen Besatzung zeitweise versteckt. Er starb am 31. März 1947 in Paris. «Curt Goldschmidts Schicksal steht stellvertretend für das vieler jüdischer Sammler und Mäzene. Die Verfolgung durch den Nationalsozialismus brachte ihn um sein Vermögen und seine Kunstsammlung; sein Leben konnte er nur durch Flucht retten», sagte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU). 

Ob und von wem das Bild ersteigert wurde, ist nach Angaben der Staatsgemäldesammlungen unklar, aber 1940 tauchte es in einem Auktionshaus in Köln auf, mit dem Vermerk, es würde aus «nicht arischem Besitz» stammen. Was dann geschah, ist ebenfalls unklar. 1972 aber kauften die Staatsgemäldesammlungen das Bild – und sie geben es nun an die Familie zurück, die sich in einer Stellungnahme darüber freute und die Anstrengungen der Staatsgemäldesammlungen und des Freistaats Bayern würdigte. 

Mit der Restitution des Gemäldes werde «ein Werk zurückgegeben, das nicht nur ein bedeutendes Beispiel der Kunst Lesser Urys ist, sondern zugleich die Geschichte jüdischer Sammler und Mäzene im Berlin der frühen Moderne widerspiegelt», sagte der Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Anton Biebl. Er war an die Spitze der Pinakotheken gerückt, nachdem es massive Kritik gegeben hatte – unter anderem am Umgang mit Restitutionen. 

«Die Rückgabe würdigt die doppelte jüdische Provenienz des Gemäldes – von seinem Schöpfer über seine Sammler bis hin zu seinem Verlust infolge nationalsozialistischer Verfolgung», sagte Biebl. 

Nach Angaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen hat das Werk eine spezielle historische Bedeutung als besonderes Zeugnis jüdischer Kunst- und Sammlungsgeschichte im frühen 20. Jahrhundert.

Lesser Ury wurde vor allem als Chronist Berliner Straßen- und Kaffeehausszenen bekannt sowie für Landschaftsgemälde in abendlicher Stimmung.

Quelle: dpa

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