Übung für den Ernstfall

Personenzug in Flammen - Großübung mit Hunderten Kräften

26. September 2026 , 17:23 Uhr

Wie reagieren Rettungskräfte, wenn ein Zug in einem Tunnel brennt? Eine Großübung im Spessart zeigt, wie gut vorbereitet sie wirklich sind.

Unter möglichst realistischen Bedingungen haben Hunderte Rettungskräfte im Spessart geübt, einen brennenden Zug in einem Tunnel zu löschen und Menschenleben zu retten. Der Einsatzleiter wusste nach Angaben der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg nur grob, was ihn erwartete. «Unser Ziel war nicht, dass alles perfekt klappt, sondern dass wir bestehende Alarmpläne auf Herz und Nieren prüfen», sagte Pressesprecher Fabien Kriegel.

«Für uns war das neu, in einem Eisenbahntunnel einen brennenden Zug vorzufinden, mit null Sicht, mit vielen Patienten», schilderte er. Die Verantwortlichen für die Übung hatten ganze Arbeit geleistet: Der Zug – noch dazu ein doppelstöckiger – stand in der Mitte des 2,6 Kilometer langen Falkenbergtunnels. Den wiederum hatten Pyrotechniker so verraucht, dass die Retter buchstäblich nichts sehen konnten. Im Zug selbst brannten gasbetriebene Wannen, was die Simulation noch echter und die Bergungsarbeiten schwieriger machte.

Positive Bilanz – einige Hausaufgaben

In einer vorläufigen Bilanz zog Kriegel ein positives Fazit. «Die Alarmierung hat reibungslos funktioniert, da hatten wir keine untypische Verzögerung.» In Summe blickten die Helfer auf eine «positive Übung mit Hausaufgaben» zurück. Diese beträfen vor allem den Aufbau der Führungsstruktur sowie das Vorgehen und die Abläufe im Tunnel.

Denn die sind komplex. «Bei einem Tunnelbrandereignis gibt es immer fest definiert drei Trupps, die vorgehen: Ein Erkundungstrupp, ein Trupp der löscht, und einer, der sucht und rettet.» Aber gerade das Erkunden und Suchen gestaltete sich angesichts der fehlenden Sicht und der weiten Strecke schwierig. Schließlich müssen die Rettungskräfte im Ernstfall auch Opfer finden, die sich aus eigener Kraft noch Richtung Tunnelausgang schleppen und dabei ohnmächtig zusammenbrechen. Und das Material muss aufwendig an den Einsatzort geschafft werden.

Monatelange Vorbereitung

An der Katastrophenschutz-Vollübung mit rund 400 Einsatzkräften und etwa 100 Statisten im Falkenbergtunnel zwischen Laufach und Heigenbrücken (Landkreis Aschaffenburg) waren etliche Organisationen beteiligt, darunter Feuerwehren, Polizei, Kliniken und die Deutsche Bahn. Viele Ehrenamtliche sind dabei. Ein Szenario dieser Größenordnung in Eisenbahntunneln findet den Angaben nach nur etwa alle 10 bis 15 Jahre statt und wurde gut neun Monate lange vorbereitet. Im Umfeld der Übung kam es zu Straßensperrungen.

Probleme bei ähnlicher Übung in Thüringen

Im August war eine ähnliche Einsatzlage mit mehr als 250 Kräften in Thüringen geübt worden – doch dabei kam es zu erheblichen Verzögerungen etwa bei der Übermittlung des Übungsnotrufs sowie bei der Alarmierung der Feuerwehr. Bei dem Großeinsatz im Sandbergtunnel im Ilm-Kreis sollten Passagiere aus einem brennenden ICE gerettet werden. «Die Übung hat Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt, die wir sehr ernst nehmen», sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) damals. So waren unter anderem Faxgeräte eingesetzt worden, was Kritik nach sich zog.

Quelle: dpa

 

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