Alpine Aufarbeitung

NS-Bezug: Bergspitze verliert Namen und Dreitausender-Status

01. September 2026 , 14:55 Uhr

Der Alpenverein entfernt den Namen eines NSDAP-Mitglieds von einer Alpenspitze. Steine werden abgetragen. Warum die bisherige Bezeichnung als belastet galt.

Eine Alpenspitze in Österreich hat im Zuge der Aufarbeitung der NS-Zeit ihren Namen und ihren Status als 3.000 Meter hohe Erhebung verloren. Bislang war der geografische Punkt in der Gebirgsregion Hohe Tauern als Pillewizer bekannt, benannt nach dem Forscher und NSDAP-Mitglied Wolfgang Pillewizer (1911-1999). Nun hat der Österreichische Alpenverein (ÖAV) dort vor wenigen Tagen die Tafel mit seinem Namen und der Höhenangabe entfernt, wie die Organisation mitteilte.

Doch nicht nur das: ÖAV-Vertreter entfernten auch einige Steine, um die Alpenspitze niedriger zu machen. Denn die Brocken waren nach Angaben des Vereins im Jahr 1988 von Pillewizers Unterstützern dort abgelegt worden, um den etwa 2.999 Meter hohen Punkt künstlich zu erhöhen. Fortan hatte der Pillewizer auf offiziellen Karten und in Wanderführern als Dreitausender gegolten – auch wenn er trotz dieses menschlichen Eingriffs strenggenommen immer noch knapp darunter gelegen hatte.

Parteimitglied und SA-Truppenführer

Die nunmehr namenlose Erhebung ragt aus einem Berggrat, nördlich des 3.657 Meter hohen Großvenedigers. Im Jahr 1988 war der Punkt nach dem österreichischen Kartographen und Gletscherforscher Pillewizer benannt worden. Nach Recherchen des ÖAV war er nicht nur bereits 1932 Parteimitglied bei den Nationalsozialisten, sondern wurde auch Truppenführer in der paramilitärischen Organisation SA. Der Alpenverein geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Pillewizer «an der Umsetzung der menschenverachtenden, rassistischen Ideologie des NS-Regimes» beteiligt war.

Innerhalb des ÖAV herrschte Einigkeit über die Namens-Aberkennung, sagte Anita Bitterlich vom ÖAV in Salzburg der Deutschen Presse-Agentur. «Es sind nur positive Rückmeldungen gekommen», erzählte sie. Auf der Facebook-Seite des Vereins waren neben vielen positiven Reaktionen aber auch etliche negative und verharmlosende Kommentare zu lesen. «Absoluter Schwachsinn, was Ihr da betreibt! Geschichtsvergessen, moralisch verwerflich und ideologisch komplett einseitig», schrieb ein User.

Der ÖAV hat entschieden, dem nunmehr namenlosen Punkt keine neue Bezeichnung zu verleihen. Auf der arktischen Inselgruppe Spitzbergen bleibt Pillewizer jedoch weiterhin verewigt: Dort sind drei geografische Punkte nach ihm benannt, wie aus Daten des Norwegischen Polarinstituts hervorgeht.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

05.09.2026 UN stimmen auf Antrag Togos für Reform der Weltkarte Die Afrikanische Union beklagt schon länger, ihr Kontinent werde auf Weltkarten nicht realistisch dargestellt. Nun nimmt die UN-Vollversammlung eine Resolution an, nach der sich das ändern soll. 05.09.2026 Schauspielerin Erni Mangold mit 99 gestorben Von «Tatort» bis «Before Sunrise»: Die österreichische Künstlerin Erni Mangold war in mehr als 100 Rollen zu sehen. Ihr Agent würdigt sie als « energische und zähe Person». 02.09.2026 Trump stellt sich auf langen und harten Ballsaal-Prozess ein Für Hunderte Millionen Dollar will US-Präsident Trump einen Ballsaal am Weißen Haus bauen lassen. Gegner zerrten das Projekt vor Gericht – das Verfahren dürfte noch lange dauern. 03.09.2026 Sandra Hüller: «identifiziere mich nicht als Deutsche» Sandra Hüller spricht in einem Interview über ihre Identität, den Umgang mit Heimat und Verantwortung – und ihr Verhältnis zur DDR.