Beleidigungen

Merz: Habe als Kanzler keinen Strafantrag gestellt

21. Juni 2026 , 17:53 Uhr

Wie reagiert Friedrich Merz auf Beleidigungen im Netz? Der Kanzler verrät, wo für ihn die Meinungsfreiheit aufhört.

Seit er Kanzler ist, geht Friedrich Merz nach eigener Aussage nicht mehr juristisch gegen Beleidigungen vor. «Seitdem ich im Amt bin, habe ich nicht einen einzigen Strafantrag gestellt», sagte der CDU-Chef beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung in einem Gespräch mit Bürgern. «Das habe ich mal eine Zeit lang gemacht, das habe ich aufgehört, das mache ich nicht mehr.»

Merz sieht harscheren Ton durch soziale Medien

In vielen Fällen verfolgten Staatsanwaltschaften Äußerungen gegen Politiker von Amts wegen, also ohne dass eine Anzeige gestellt wurde, sagte Merz. Er sei selbst überrascht gewesen über die große Zahl der Fälle. Er selbst sei gar nicht empfindlich. «Also wenn mich irgendjemand einen Idiot nennt, dann soll er das tun. Ich bin anderer Meinung, aber deswegen ist es noch kein Straftatbestand.»

Allerdings habe sich der Ton verschärft, bedauerte Merz. «Zu dem Zeitpunkt, wo es noch keine sozialen Medien gab, waren wir uns in der Gesellschaft eigentlich einig, dass grobe Beleidigungen zum politischen Sprachgebrauch nicht dazugehören sollten.» Das sei inzwischen anders. Dabei sollten in der digitalen Welt keine anderen Regeln gelten als in der analogen.

Wo für Merz die Grenze verläuft

Er sei offen für eine Diskussion über die Reform des Paragrafen 188 des Strafgesetzbuchs, der Politiker vor Beleidigungen, Verleumdung und übler Nachrede schützen soll, sagte der Kanzler. Wer jemanden beleidigt, kann eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe erhalten. 

Die aktuelle Fassung gilt seit April 2021. Seinerzeit wurden gesetzliche Regeln zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität verschärft. Nach dem Willen der Justizministerkonferenz soll der erweiterte Strafrahmen für Politikerbeleidigungen nur noch für kommunale Amts- und Mandatsträger gelten.

Für ihn sei die Grenze erreicht, wenn jemand nicht als Person beleidigt oder kritisiert werde, sondern wenn das Amt beschädigt werde, sagte Merz. «In dem Augenblick, wo die Staatsämter beschädigt werden, da hört für mich der Spaß auf.» Das gehöre nicht zur Meinungsfreiheit – damit werde die Demokratie beschädigt.

Quelle: dpa

Das könnte Dich auch interessieren

24.06.2026 Kanzleramt bekommt bald Merkel-Porträt für Ahnengalerie Der Platz neben Gerhard Schröder ist seit Jahren frei. Bald wird die Leerstelle gefüllt. 24.06.2026 Gasversorgung gefährdet? Razzien wegen Sabotage-Verdachts Ein Russe steht im Verdacht, 2022 die Liquidierung der deutschen Tochterfirma des russischen Staatskonzerns Gazprom unterstützt zu haben. Das mutmaßliche Ziel: Die Gasversorgung in Deutschland stören. 24.06.2026 Grönemeyers WM-Tipp: So weit kann das DFB-Team kommen Der Sänger verfolgt die deutsche Elf bei der Fußball-WM und sagt: Es ist «alles drin». Allerdings nur, wenn das Team im Achtelfinale einen möglichen Top-Gegner aus dem Weg räumen kann. 24.06.2026 11 Stunden im Zug - So läuft es nach der Bahn-Störung Fahrgäste sind Ärger mit der Deutschen Bahn gewohnt. Doch am Dienstagabend ging zwei Stunden lang gar nichts - deutschlandweit. Wie läuft es für Reisende am Morgen danach?