Michael Olise schlurfte nach seiner nächsten Fußball-Gala reichlich bepackt mit der Trophäe für den Spieler des Spiels und dem von den Kollegen signierten Spielball für seinen ersten Dreierpack im Bayern-Trikot durch die Reporterzone der Allianz Arena. Und natürlich wie üblich wortlos.
Erst kurz nach Mitternacht kam auch Harry Kane aus der Kabine. Für seinen nächsten Torrekord in der Bundesliga hielt der Engländer nach dem famosen 7:0 gegen Union Berlin ein kleines Wiesn-Herz mit der Zahl 100 in den Händen. Kane hatte mit einem Doppelpack seine Tore 100 und 101 für den FC Bayern erzielt.
Der 33 Jahre alte Vollprofi plauderte trotz der späten Stunde noch ausgiebig über seine nächste Bestmarke, den Ballon d’Or-Wahlkampf, seinen kongenialen Offensiv-Partner Olise und natürlich auch über die famose Bayern-Performance vor dem gemeinsamen Oktoberfest-Besuch des Teams am Sonntag. «Nach solch einem Resultat sollte es ein lustiges Wochenende werden», sagte Kane.
In Feierlaune verabschieden sich die Münchner Tormaschine, Zauberer Olise und all‘ die anderen Bayern-Stars um die weiteren Torschützen Jamal Musiala und Ismael Saibari in die drei Wochen lange Länderspielpause. Und mit einem guten Gefühl für die englischen Wochen danach: «Auf so ein Spiel haben wir in dieser Saison gewartet», sagte Kane: «Unsere Leistung war von Anfang bis Ende auf höchstem Niveau.» Die Bayern hatten mächtig Spaß auf dem Platz.
Und auch danach in der Kabine. «Also es gab ein paar kurze Reden», wie Kane aus dem Heiligtum der Mannschaft verriet: «Michaels erster Hattrick, meine 100 Tore und Isi (Saibari) mit seinem ersten Tor für Bayern.» Und wessen Rede war die kürzeste, wurde Kane gefragt. «Michaels», antwortete er laut lachend.
Kane feierte seinen nächsten Bundesliga-Rekord im kunterbunten Wiesn-Trikot. So schnell wie der 100-Millionen-Euro-Mann hat noch kein Profi in Deutschlands höchster Spielklasse die 100-Tore-Marke geknackt.
«Ich bin stolz. 100 Tore in einer anderen Liga zu erreichen, ist eine großartige Leistung», sagte der Engländer. In der Premier League hatte er diese Marke ebenfalls (weit) übertroffen. «Es ist ein großer Schritt. Danke ans Team, danke an den Club, danke an den Staff», äußerte Teamplayer Kane.
Nur 98 Spiele benötigte der 33-Jährige für seine nun 101 Treffer. Der bisherige Rekordhalter Dieter Müller hatte für die Hunderter-Marke 129 Partien benötigt. Es ist einleuchtend, dass die Bayern-Bosse mit Kane über den Sommer 2027 hinaus verlängern wollen. Die Vertragsverhandlungen sind in vollem Gange.
Kane hat in München den idealen Ort gefunden, um alles gewinnen zu können. Zu den nationalen Titeln sollen in dieser Saison auch internationalen Krönungen kommen. Die Champions League – und der Ballon d’Or für den weltbesten Spieler, der am 26. Oktober in seiner Heimatstadt London vergeben wird.
Der Wahlkampf läuft längst auf Hochtouren. Die jeweiligen Vereine werben vehement für ihre Spieler. Und ein Anwärter wie Spaniens Jungstar und Weltmeister Lamine Yamal heizt die Debatte mal zusätzlich an, indem er – in Anspielung auf Kane – sagt, dass die Auszeichnung «an den besten Spieler der Welt gehen» sollte und «nicht an einen Spieler, der 80 Tore geschossen hat».
Und wie reagiert Sportsmann Kane? Ruhig und gelassen: «Wir wissen nicht, was er genau meint. Jeder ist anders. Jeder hat seine Meinung, jeder hat seine Art.» Yamal sei «ein unglaublicher Spieler, er hatte eine großartige Saison, wie viele Spieler», sagte Kane und zählte auf: «(Kylian) Mbappé, Michael (Olise), Rodri. Es gibt viele Kandidaten. Darum wird dieses Jahr vielleicht mehr darüber diskutiert. Die Ballon d’Or-Vergabe liegt nicht in meiner Hand.»
Bayerns Torjäger ist ein heißer Sieg-Anwärter 2026. Der 24-jährige Olise aber schickt sich an, sich zu einem Dauerbewerber für die Auszeichnung zu entwickeln. Der wortkarge, außerhalb des Platz bisweilen bizarr auftretende Franzose «schleicht sich natürlich in seiner Art und Weise, wie er Fußball spielt, in diesen Kreis rein», meinte Sportvorstand Max Eberl.
Beim Münchner Torfest gegen die gar nicht mehr «Eisernen» aus Köpenick sorgte Olise mit Traumtoren, Vorlagen und einem herausgeholten Elfmeter für das ganz große Spektakel. Auch Vincent Kompany kam nicht umhin, eine Hymne auf den Franzosen mit dem linken Zauberfuß anzustimmen. Aber der Trainer erklärte auch das Geheimnis hinter dem Phänomen Olise: «Auch die Topspieler brauchen mehr als nur Talent. Es steckt harte Arbeit dahinter.»
Kane sieht Olise (Vertrag bis 2029) in München ebenfalls am richtigen Platz. «Er ist hier in einer großartigen Umgebung, um sich immer weiter zu verbessern. Es war sein erster Hattrick. Es war schön, sein Lächeln im Gesicht zu sehen. Ich liebe Spieler wie Michael, ich mag ihn als Persönlichkeit, er ist ein großartiger Charakter. Er könnte irgendwann der beste Spieler der Welt sein», sagte Kane. Und: Der Olise in der Kabine sei ein ganz anderer Typ als der Olise draußen.
Quelle: dpa