Die englischen Fans sangen – und Harry Kane hörte andächtig zu. Es war ein echter Gänsehaut-Moment, als im Stadion von East Rutherford nach dem Abpfiff der Klassiker «Wonderwall» von Oasis ertönte und die Anhänger der Three Lions ihren neuen alleinigen WM-Rekordtorschützen feierten. Und nicht nur den. Auch Jude Bellingham bekam sein Ständchen.
«Hey Jude» sangen die vielen Fans in ihren weißen Trikots für den früheren Dortmunder, den überragenden Mann bei Englands 2:0 (0:0) gegen Panama. Der erhoffte Gruppensieg ist eingetütet, der Gegner im Sechzehntelfinale die Demokratische Republik Kongo und der deutsche Trainer Thomas Tuchel bei der Fußball-WM am ersten Zwischenziel. Vor allem dank Kane und Bellingham.
«Sie machen uns gefährlich, sie machen uns zu einem Topteam», sagte Tuchel über seine zwei Schlüsselspieler. «Deshalb sind unsere Erwartungen hoch.» Diese Erwartungen – ob im Team oder in der Heimat – sehen vor, dass England bei diesem Turnier um den Titel mitspielt und im Idealfall seinen ersten Pokal seit dem WM-Triumph 1966 holt. Kane, den Stürmerstar des FC Bayern, und Bellingham, das Mittelfeld-Ass von Real Madrid, wird Tuchel dabei brauchen.
Kane sei so ein «fantastischer Mannschaftsspieler», lobte Tuchel seinen 32 Jahre alten Kapitän. Der stieg durch seinen Kopfballtreffer gegen Panama zum alleinigen WM-Rekordtorschützen der Engländer auf. Elf Tore hat er nun – und damit eins mehr als Ex-Profi Gary Lineker. «Jeder freut sich für Harry», meinte Tuchel. Natürlich sei er stolz, erklärte der Münchner selbst. Kane habe das verdient, sagte Bellingham über den Angreifer – und betonte: «Er ist der Beste.»
Zumindest für die Partie am Samstag galt das aber nur bedingt. Denn da war es vor allem Bellingham, der die Three Lions nach einer zähen ersten Halbzeit auf den richtigen Weg brachte – mit seinem Einsatz, mit seinem Führungstor und kurz später seiner Vorlage für Kane zum 2:0. Er sei «eine Gefahr für jeden Gegner», sagte Tuchel über den 22-Jährigen, der völlig zurecht als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde. «Wir sind froh, dass wir ihn haben.»
Der frühere BVB-Profi spielte den Ball gern zurück – und lobte seinen Trainer für dessen Einfluss in der Pause. Tuchel habe definitiv zu der Leistungssteigerung der Engländer im zweiten Durchgang beigetragen. In dem erarbeiteten sie sich die Chancen, die in den ersten 45 Minuten noch ausgeblieben waren.
Eine Gala gegen Kroatien, ein maues Remis gegen Ghana und ein Arbeitssieg gegen das zuvor bereits ausgeschiedene Panama – mit dieser Bilanz geht England nun in die K.-o.-Phase. Und das Turnier laut Tuchel noch mal neu los.
Sie habe den richtigen Teamgeist, sie kämpfe und glaube an sich, sagte der 52-Jährige über seine Mannschaft. «Je größer die Spiele werden, desto größer werden wir», kündigte er an. Können die gerade offensiv hochkarätig besetzten Engländer das umsetzen, gehören sie sicher zu den Titelanwärtern.
Wichtig wäre auch, dass der angeschlagen ausgewechselte Leverkusener Verteidiger Jarell Quansah und der zuvor schon verletzte Abwehr-Star Reece James vom FC Chelsea nicht allzu lange fehlen. Englands Fans würden doch nur allzu gern wieder singen. Und bestimmt nicht nur für Kane oder Bellingham.
Quelle: dpa