Zahlreiche Einsatzkräfte kämpfen weiter gegen den bisher tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts in Spanien. Die Lage in der Provinz Almería entwickelte sich zuletzt jedoch günstig. Eine höhere Luftfeuchtigkeit und schwächere Winde erleichterten nach Angaben der Einsatzkräfte die Löscharbeiten. Währenddessen konnte ein großer Waldbrand in Nürnberg gelöscht werden.
Der verheerende Brand im Süden Spaniens forderte mindestens zwölf Todesopfer. Außerdem zerstörte er bereits 6.600 Hektar Wald- und Buschfläche, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Dabei bezog er sich auf einen Sprecher der rund 500 Einsatzkräfte im Gebiet um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar, rund 70 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Almería. Die verbrannte Fläche entspricht der Größe von zwei Dritteln der Insel Sylt.
Der Präsidentschaftsminister der Zentralregierung, Félix Bolaños, sagte am Einsatzleitstand, Teile des Feuers seien bereits nahezu stabilisiert, die Lage bleibe aber in einigen Abschnitten schwierig. Die am Freitag teilweise gesperrte Autobahn A7 wurde wieder freigegeben.
In Nürnberg ging am Freitagabend ein Waldgebiet von der Größe etwa vier kleiner Fußballfelder in Flammen auf. Über Verletzte wurde nichts bekannt. Ein Campingplatz und ein Open-Air-Konzert in der Nähe des Messegeländes wurden nach Polizeiangaben vorsorglich geräumt.
Bis zu 300 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst seien im Einsatz gewesen, sagte Polizeisprecher Michael Petzold. Der Brand ist nach Petzolds Worten vermutlich im Bereich einer alten Westernstadt ausgebrochen, die seit mindestens zehn Jahren brach liege.
In Spanien loderten die Flammen unweit beliebter Mittelmeerstrände wie Playa de Mojácar. Knapp 1.500 Menschen mussten ihre Häuser und einen Campingplatz verlassen, darunter Touristen vor allem aus Großbritannien. Als Ursache des Brandes wird eine kaputte Stromleitung vermutet.
Viele der Todesopfer waren in der Nacht zum Freitag – wenige Stunden nach Ausbruch des Feuers – auf den Straßen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt. Es handelt sich laut Behörden um Personen, die vor den Flammen fliehen wollten, dabei jedoch eine falsche Fluchtroute gewählt haben. Acht Menschen wurden schwerer verletzt.
Aufgrund verschiedener Indizien gehen die Behörden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass unter den Toten mehrere Briten und Belgier sind. Man müsse aber die Identifizierung der Opfer abwarten. Diese gestalte sich schwierig, hieß es. Auch DNA-Proben seien genommen worden.
Unterdessen dauerte die Suche nach möglichen weiteren Opfern an. Die Einsatzkräfte durchsuchten in der Gemeinde Bédar die Häuser systematisch einzeln. Nach offiziellen Angaben wird weiterhin nach 23 Menschen gesucht. Allerdings wurden bislang nur sieben Vermisstenanzeigen gestellt.
Spanien sowie der iberische Nachbar Portugal und andere europäische Länder werden schon seit Wochen von einer ganzen Serie an Waldbränden heimgesucht. Seit Jahresbeginn haben großflächige Feuer allein in Spanien bereits mehr als 60.000 Hektar Land zerstört, wie Daten des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) zeigen.
Nicht nur in Spanien, auch in Deutschland ist die Gefahr für Brände wegen der anhaltenden Trockenheit groß. Und sie wächst: Wie in den Karten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zu sehen ist, färben sich zunehmend mehr Gebiete Deutschlands im Waldbrandgefahrenindex rot. Am Mittwoch dürfte fast in ganz Deutschland die Warnstufe 4 herrschen, teilweise sogar die höchste Stufe 5.
Quelle: dpa