Fußball-Nationalmannschaft

Ewige Debatte um Sané: Was spricht für und was gegen ihn?

16. Juni 2026 , 09:15 Uhr

Leroy Sané steht bei einem Turnier sofort wieder im Fokus. Bleibt er im zweiten WM-Spiel in der Startelf? Oder schlägt jetzt die Stunde von Deniz Undav? Das Für und Wider einer Dauer-Personalie.

Wenn Leroy Sané das Golf-Cart auf das Trainingsgelände des W. Dennie Spry Stadiums steuert, halten sich seine Mitfahrer Antonio Rüdiger und Jamal Musiala besser gut fest. So schwungvoll der Offensivspieler das Elektro-Gefährt hinter der Tribüne in Winston-Salem einparkt, hätten ihn viele gerne beim 7:1-Torfest der Fußball-Nationalmannschaft zum WM-Start gegen Curaçao gesehen. 

Doch der 30-Jährige fiel im Leistungsvergleich mit seinen Kollegen ab – wieder einmal. Während zehn Startplätze in der Elf von Julian Nagelsmann auch für das zweite Gruppenspiel am Samstag (22.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) unstrittig vergeben sind, sieht sich Sané bei seinem fünften großen Turnier sofort wieder einer öffentlichen Diskussion über seinen Status in der DFB-Elf ausgesetzt.

Darum sollte Sané in der Startelf bleiben

Nach dem bitteren WM-Ausfall von Lennart Karl am Vortag der WM-Generalprobe gegen die USA vergab Nagelsmann den vakanten Startplatz auf dem rechten Flügel an Sané – und das nicht ohne Grund. Der Bundestrainer hatte den schnellen Flügelflitzer von Galatasaray Istanbul die Rolle des WM-Herausforderers für diese Position zugedacht. 

Trainingsleistungen und Verhalten Sanés gaben keinen Anlass, diese Hackordnung zu seinen Ungunsten zu ändern. Und Sané lieferte. Er schoss den für das WM-Momentum wichtigen Siegtreffer zum 2:1 in Chicago.

Doppelpack für das WM-Ticket

Nagelsmann hat einen Weg gefunden, seinen früheren Münchner Club-Spieler anzustacheln. Nach einer klaren Ansage im November steuerte er zwei Tore zum 6:0 in der WM-Qualifikation gegen die Slowakei bei. «Er ist ein Spieler, der alles kann. Er muss nur alles geben», sagte Nagelsmann damals. 

Warum sollte eine diesmal interne Ansprache nicht auch für das Spiel in Toronto gegen die physisch starken Afrikaner funktionieren? Der Bundestrainer weiß, wie er Sané anpacken muss. «Bei Leroy ist erstmal die Bewertungsgrundlage, wie viel er investiert», sagte Nagelsmann. Das Investment gegen Curaçao war nicht das Problem, Sané demonstrierte keine Leistungsverweigerung. Es fehlte nur der Torertrag. 

Eine Herausnahme würde ohne echte Not die Teamstatik verändern, wenn Topjoker Deniz Undav hereinkommt und Kai Havertz zurückgezogen würde. Positionsgetreue Alternativen wären Jamie Leweling, Maximilian Beier oder womöglich Assan Ouedraogo, die alle noch kein WM-Spiel bestritten haben. 

Nicht zu unterschätzen ist Sanés Erfahrung aus 77 Länderspielen mit 17 Toren. In der Startelf des Curaçao-Spiels haben nur Rekordtorwart Manuel Neuer (125) und Kapitän Joshua Kimmich (111) häufiger das DFB-Trikot getragen. Wenn die Gegner besser werden, ist auch Routine wichtig. Und nicht zu unterschätzen ist: Sané ist im Team sehr beliebt. Musiala und Rüdiger stiegen wieder in das Golf-Cart für die Fahrt zum Trainingsplatz. 

Darum sollte Sané nicht mehr in der Startelf stehen

Eine WM ist keine Spielwiese und kein Testballon. Für den Erfolg muss das Leistungsprinzip gelten. Und Sané hat dieses in seiner mittlerweile langen Karriere vielfach nicht erfüllt. Wer mit 30 Jahren sein Potenzial noch nie abgerufen hat, wenn es ernst wurde, wird es auch jetzt nicht schaffen. Null Tore in 13 Turnierspielen lassen keinen Zweifel. 

In Houston war wieder diese lasche Körpersprache zu sehen, die auf viele Fans wie eine Provokation wirkt. Wer nicht einmal gegen Curaçao seine Torchancen nutzt, wird das auch gegen Top-Teams nicht schaffen, wenn jeder Schuss sitzen muss. Wer das anzweifelt, muss sich nur Sanés Turnierhistorie anschauen. 

Löw reagierte 2018 knallhart

Bei der EM 2016 galt noch Fußball-Welpenschutz. Der damals 20-jährige Sané war ein Versprechen für die Zukunft. Zwei Jahre später folgte schon ein Hinweis: Der damalige Bundestrainer Joachim Löw strich ihn im Trainingslager in Südtirol überraschend aus dem WM-Kader. Keine Verwendung für das Talent. Vier Jahre später in Katar verhinderte eine Verletzung gute Momente. Zehn EM-Einsätze 2021 und 2024 blieben ohne Aha-Effekt. 

Nagelsmanns Geduld wurde ziemlich strapaziert. Im EM-Test 2023 gegen Österreich gab es eine Rote Karte wegen einer Tätlichkeit, das passte zu dem öffentlich aufgedrückten Flegel-Stempel. Sanés Kritiker sahen sich bestätigt, als Nagelsmann im November zum öffentlichen Klartext anhob. «Er hat nicht mehr unzählig viele Chancen, sich hier zu beweisen», sagte der Bundestrainer. Gegen Curaçao hat er eine weitere nicht genutzt.

Quelle: dpa

 

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