Neu im Kino

Eine Hymne auf die Kraft des Kinos: «Nouvelle Vague»

12. März 2026 , 04:30 Uhr

Mit «Nouvelle Vague» blickt Regie-Star Richard Linklater («Boyhood») schwelgerisch in die Geschichte des Kinos. Seine Liebeserklärung dürfte nicht nur Fans der Filmkunst begeistern.

Der 1960 uraufgeführte Spielfilm «Außer Atem» machte den französischen Schauspieler Jean-Paul Belmondo («Ein irrer Typ») zum Star. Seine US-amerikanische Kollegin Jean Seberg wurde zu einer Leinwandikone. Regie-Debütant Jean-Luc Godard erwarb damit den Ruf eines Genies. Vor allem gilt das Gangsterdrama als Schlüsselwerk der «Nouvelle Vague», der «Neuen Welle». Dieser Begriff beschreibt ein Kino fern der bis dahin gängigen Muster. Wesentliche Merkmale sind Realitätssinn, lebensechte Dialoge, oft mit einer Handkamera eingefangene Bilder, unkonventionelle Schnittfolgen und der Verzicht auf jeden Kitsch.

Was stilistisch und inhaltlich auffällt

In seiner ersten rein französischsprachigen Produktion schildert der US-amerikanische Regisseur, Autor und Produzent Richard Linklater die Entstehung des legendären Spielfilms. Dabei hält er sich an Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre übliche technische Standards: Das Projektionsbild ist fast quadratisch, die Bilder sind schwarz-weiß. Stilistisch folgt er den Ambitionen des damals 28-jährigen Regie-Neulings Jean-Luc Godard: Die Erzählung ist sprunghaft, statt einer ausgefeilten Story gibt es auf den ersten Blick oft zusammenhanglos anmutende Episodensplitter, es wird scheinbar planlos drauflosfabuliert.

Wer gern hinter die Kulissen des Kunstbetriebs schaut, erlebt ein üppiges Fest. Kenner der Filmgeschichte können sich an Auftritten heute weltberühmter Kinolegenden wie der Regisseure Roberto Rossellini («Stromboli») und François Truffaut («Jules und Jim») oder der Chansoninterpretin und Schauspielerin Juliette Gréco («Weiße Margeriten») sowie an zahlreichen Anspielungen erfreuen. Aber auch wer die Promis, Verweise, Zitate und Schlaglichter nicht erkennt, dürfte einen Hochgenuss haben. Linklaters Leidenschaft für das Kino ist ungemein mitreißend.

Welche Schauspieler besonders begeistern

Besonders begeistern jene Szenen, die das Reifen Jean-Paul Belmondos vom unbekümmerten Schauspielanfänger zum sensiblen Künstler spiegeln. Der noch weithin unbekannte Franzose Aubry Dullin verkörpert ihn herrlich schnoddrig und gedankenvoll. Die US-Amerikanerin Zoey Deutch («Juror No. 2») porträtiert die zur Handlungszeit bereits berühmte Schauspielerin Jean Seberg («Bonjour Tristesse») einfühlsam als Frau auf der Suche nach sich selbst. Guillaume Marbeck in seiner ersten Hauptrolle zeichnet Jean-Luc Godard wirkungsvoll als provozierend eigensinnigen Exzentriker.

Wofür der Regisseur bekannt ist

Richard Linklater ist einer der führenden Vertreter des sogenannten Independent-Kinos, also von Filmen, die fern der großen Hollywood-Studios entstehen. Viele seiner Hits wie beispielsweise die zwischen 1995 und 2013 entstandene «Before»-Trilogie, das über einen Zeitraum von elf Jahren gedrehte Familien-Porträt «Boyhood» (2014) und die Action-Komödie «A Killer Romance» (2024) wurden weltweit von Publikum und Kritik gefeiert.

Linklaters Erfolgsgarant ist eine mitreißende Mischung aus Menschenliebe und Humor. Er kann selbst von Schlimmstem im Tonfall einer charmanten Plauderei erzählen. Bei der Verleihung des César, Frankreichs nationaler Filmpreis, bekam «Nouvelle Vague» vier Auszeichnungen, darunter die für die beste Regie an Richard Linklater.

Kino als Quell der Unterhaltung und der Herzensbildung

Der Film ist eine lustvolle Liebeserklärung an die Magie des Spiels von Licht und Schatten. Er feiert das Kino als Quell der Unterhaltung und der Herzensbildung. Über alles Schwelgen in der Filmhistorie hinaus erzählt Richard Linklater feinsinnig, wie Menschen trotz Schwierigkeiten ihre Träume verwirklichen können. In diesem Fall ist es der Traum des bis dahin jahrelang als Filmkritiker erfolgreichen Jean-Luc Godard von einer Regie-Karriere. Die Geschichte steht zudem für Linklaters grundsätzlichen Glaube daran, dass jeder Mensch dazu in der Lage ist, über sich selbst hinauszuwachsen.

Quelle: dpa

 

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