Ex-Fußballprofi Stefan Effenberg sieht in der Entscheidung von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die WM-Rückkehr von Manuel Neuer ins DFB-Tor ein großes Risiko. «Denn die Fitness und Gesundheit des mittlerweile 40-jährigen Neuer ist stets ein Thema», schrieb Effenberg in seiner Kolumne für das Nachrichtenportal «t-online». «Nicht ohne Grund stand er nur in 37 von 54 Saisonspielen auf dem Platz.» Erst im letzten Saisonspiel des FC Bayern war Neuer wegen Waden-Beschwerden ausgewechselt worden.
Effenberg warnt vor einem Ausfall des Torhüters in der Turnier-Vorbereitung, die Nagelsmann in Nöte bringen würde. Der 57-Jährige sieht aber auch Fragezeichen bei Neuers Leistungsfähigkeit. «Manuel Neuer ist unbestritten an guten Tagen weiterhin einer der besten Torhüter der Welt – aber: Mittlerweile schleichen sich in sein Spiel auch fast regelmäßig kleinere oder größere Fehler ein.»
Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus befürwortete die Entscheidung von Nagelsmann dagegen. «Ich glaube, dass Manuel Neuer für diese deutsche Nationalmannschaft mit seiner Erfahrung, mit seiner Qualität, aber vor allem auch mit seiner Persönlichkeit ein Riesengewinn ist», sagte Matthäus bei «Bild Live». Der 65-Jährige hob Neuers starke Leistungen in den vergangenen Monaten hervor. «Da hätte die ganze Welt über uns gelacht, wenn wir diesen Torhüter zu Hause gelassen hätten.»
Auch für Ex-Bayern-Keeper Sepp Maier ist Neuer nach wie vor der beste deutsche Torhüter. Den Ablauf kritisierte Maier aber. «Wenn der Nagelsmann am Ende sowieso wieder auf Neuer setzt – warum macht man dann wochenlang dieses Theater? Für mich war das unnötiges Rumgeeier», sagte er Sport1. «Natürlich bleibt da etwas hängen. Die Spieler sind doch nicht blöd. Die merken doch genau, wenn wochenlang herumgeeiert wird und keiner so richtig Klartext redet.»
Nagelsmann hatte bei der Vorstellung seines WM-Kaders die Kehrtwende offiziell gemacht, die sich zuvor mehrere Tage abgezeichnet hatte: Der nach der EM 2024 zurückgetretene Neuer fährt als Nummer eins der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit zur WM in diesem Sommer.
Für den Weltmeister von 2014 wird Oliver Baumann von der TSG 1899 Hoffenheim seinen Posten wieder räumen müssen. Neuer hatte zuvor immer wieder erklärt, dass sein Rücktritt unumstößlich sei und Nagelsmann auf Baumann gesetzt. Der Hoffenheimer will nun aber auch als Nummer zwei mit zum Turnier fahren.
Quelle: dpa