Mitten in der Nacht reißt ein Knall die Anwohner in Regensburg aus dem Schlaf. Kurz darauf brennt ein Mehrfamilienhaus lichterloh. Als die Flammen den Blick freigeben, herrscht Entsetzen: In den oberen beiden Etagen des vierstöckigen Reihengebäudes klafft ein riesiges schwarzes Loch. Die Fassade ist verschwunden, was an Trümmern übrig bleibt, ist schwarz von Ruß.
Vier Menschen kommen in ein Krankenhaus, einer davon mit schwereren Verletzungen. Auch ein Polizist wird wegen einer Rauchvergiftung vorübergehend in einer Klinik behandelt, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz sagt.
Doch damit nicht genug der Schreckensnachrichten: Selbst nach vielen Stunden herrscht noch Bangen um den Zustand weiterer Bewohner. «Besonders kritisch ist die Lage für zwei Personen, die derzeit noch im Gebäude vermutet werden und als vermisst gelten», schildert der Polizeisprecher. Fatal: Die Rettungskräfte konnten zunächst nicht zu den vier völlig zerstörten Wohnungen vordringen.
Das Technische Hilfswerk wollte daher die Nacht durcharbeiten, um das Gebäude und die betroffenen Wohnungen zu stabilisieren. Erst dann könnten Rettungskräfte nach den zwei Vermissten suchen, hieß es. Bisher sei das wegen Einsturzgefahr nicht möglich gewesen.
Denn die Schäden sind gewaltig. Bis zum gegenüberliegenden Haus hat die Wucht der Explosion Glasscherben geschleudert, Fensterrahmen und Teile der Balkonverkleidung liegen herum. Auch nach Abschluss der eigentlichen Löscharbeiten zieht Rauch aus dem Gebäudeteil, das nun zur Straße hin tief den Blick in das Innere des Hauses freigibt. Immer wieder müssen die Feuerwehrleute nachlöschen, weil Glutnester auflodern.
Die Ursache bleibt zunächst unklar. Allerdings gehen die Beamten am Nachmittag bereits einer konkreten Vermutung nach. «Wir haben Hinweise und ermitteln in die Richtung Gasexplosion», sagt ein Sprecher. Ob es sich aber um einen Unfall handelt oder die Explosion vorsätzlich herbeigeführt wurde, sei noch offen.
Bereits am Vormittag sind Brandermittler vor Ort, können die betroffenen Wohnungen allerdings zunächst nicht betreten. Denn das Haus sowie zwei angrenzende Häuser gelten als einsturzgefährdet. Das Technische Hilfswerk beginnt daher damit, Wände und Decken abzustützen.
Erst wenn die Statik gesichert ist, kann auch nach möglichen Opfern gesucht werden. Anfangs ist von drei Vermissten die Rede, später spricht die Polizei von zwei Menschen, die noch im Gebäude vermutet würden.
Anwohner hatten kurz vor 4.00 Uhr in der Nacht einen lauten Knall gemeldet. «Es kam zu einer Explosion in einem Wohnhaus und in der Folge dessen zu einem größeren Brandgeschehen», schildert der Polizeisprecher den Ablauf. Auch von einem Feuerball ist die Rede.
Für die Rettungskräfte beginnt ein Großeinsatz. Die Feuerwehr kann aufgrund der Einsturzgefahr nicht von innen löschen und setzt Drehleitern ein. Mit einem massiven Löschangriff verhindert sie eine Ausbreitung der Flammen auf den gesamten Dachstuhl und die Wohneinheiten des Nachbarhauses, in dem sie unter anderem den Dachstuhlübergang von außen öffnet.
27 Bewohner der drei Gebäude werden laut Feuerwehr vorübergehend in einem Gasthaus untergebracht. «Die meisten sind bei Freunden, Hotels oder dergleichen untergekommen», berichtet der Polizeisprecher am Nachmittag. Für die anderen suche die Stadt Regensburg via Homepage nach Angeboten für freien Wohnraum.
Die Feuerwehr ist mit etwa 150 Personen im Einsatz. Zudem sind zahlreiche Rettungswagen vor Ort. Die Polizei bittet potenzielle Zeugen, die sich am frühen Morgen in der Nähe aufgehalten haben, sich bei der Kripo zu melden. Bereitschaftspolizisten suchen derweil systematisch das Umfeld nach Hinweisen zur Brandursache ab.
Quelle: dpa