Würfe von Autobahnbrücken

Hohe Haftstrafen für Betonplatten-Würfe - «Reiner Egoismus»

21. Januar 2026 , 15:22 Uhr

Zwei Männer werfen massive Gegenstände von Autobahnbrücken und provozieren Unfälle. Danach sind sie als Retter zur Stelle. Nun müssen sie lange ins Gefängnis.

Erst haben sie Betonplatten und Eisenstangen von Autobahnbrücken geworfen und sich dann als Retter aufgespielt. Es sei den zwei Männern um den großen Auftritt gegangen, begründete das Lüneburger Landgericht hohe Gefängnisstrafen für das befreundete Duo. Ein 23 Jahre alter Mann aus Itzehoe in Schleswig-Holstein muss wegen versuchten Mordes in sieben Fällen zwölf Jahre in Haft, ein 32-Jähriger aus Einhausen in Thüringen wegen sechs Fällen elf Jahre. Auch das Merkmal der Heimtücke sei erfüllt, urteilte das Schwurgericht. 

«Sie wollten Straftaten begehen aus reiner Selbstdarstellung und Egoismus», sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch in seiner fast einstündigen Begründung. Es wäre so etwas wie ein Hobby nach Dienstschluss gewesen, sie hätten einen richtigen Tatplan entwickelt: «Das war versuchter Mord mit gefährlichem Eingriff in den Strafenverkehr.» Die zwei hätten das Leben unbeteiligter Menschen aufs Spiel gesetzt und die Arglosigkeit der Menschen ausgenutzt. 

Verteidigung kündigt Revision an

Damit ging die Kammer über die Forderung der Staatsanwaltschaft nach zehn Jahren Haft für die Angeklagten hinaus. Beide sitzen nach den Würfen von Autobahnbrücken seit Juni vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die Haftbefehle wurden nicht aufgehoben, die Handschellen sofort wieder angelegt. Die Verteidigung des Älteren kündigte Revision an. Sie setzte sich für geringere Strafen ein, maximal acht Jahre. 

Die Männer warfen nach ihrer gemeinsamen Arbeit Steine, eine Betonplatte und einen Baumstamm von Autobahnbrücken in Niedersachsen, Thüringen und Bayern – teils direkt auf vorbeifahrende Fahrzeuge. Hinterher stellte sich das geständige Duo als schnelle Ersthelfer dar. Mit ihren Autos fuhren sie an die Unfallorte und sprachen meist als Erste mit den Geschädigten. 

Unfallopfer leiden unter Angstzuständen 

Etliche Zeugen hatten im Prozess geschildert, dass sie immer noch unter Angstzuständen und Schlafstörungen litten, sich oft nachts nicht mehr ins Auto trauten. «Jeder, der hier am Prozess teilgenommen hat, wird mit einer gewissen Beklemmung unter Autobrücken durchfahren», erklärte Kompisch. Viele Geschädigte würden die Folgen ein Leben lang mit sich tragen. 

In ihren Ausführungen am letzten Prozesstag gaben sich die Angeklagten reumütig, entschuldigten sich für ihre Taten und beteuerten, dass es ihnen ums Helfen gegangen sei. Der Jüngere führte seine von väterlicher Gewalt und Heimaufenthalten geprägte Kindheit an und weinte bei den Ausführungen. Das Anbieten von Hilfe habe sein Selbstwertgefühl gesteigert, hatte er zu Prozessbeginn eingeräumt: «Ich habe mich dann wertvoll gefühlt». Der als Rettungssanitäter ausgebildete Mann gestand nun aber auch: «Es war reine Selbstsucht, ich trage die Hauptschuld».

Einmal habe er sich sogar als leitender Notarzt ausgegeben, warf ihm Kompisch vor: «Ums Helfen ging es nicht, der Auftritt war der Kitzel». Eine große Unfallstelle mit Einsatzwagen der Polizei, Rettungssanitätern und Hubschraubern habe den Männern gefallen. Bei den selbst geschaffenen Gefährdungslagen hätten auch Alkohol und Drogen wie LSD keine große Rolle gespielt. Die zwei Männer hatten angeführt, sich im Rausch gegenseitig hochgeschaukelt zu haben.

Quelle: dpa

 

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