Kommunen

Augsburgs OB Weber kritisiert Umgang mit Frauen

29. April 2026 , 08:36 Uhr

Als Oberbürgermeisterin von Augsburg wurde Eva Weber abgewählt. Sie geht davon aus, dass das auch mit ihrem Geschlecht zu tun hat: «Das hat System.»

Die abgewählte Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) sieht die Chancen für Frauen in der Kommunalpolitik schwinden. «Wir haben in Bayern auch keine Großstadt mehr, die von einer Frau regiert wird. Viele Landrätinnen oder Landratskandidatinnen sind auch nicht gewählt worden. Das hat System», sagte sie der «Augsburger Allgemeinen». «2020 war es klar, dass eine Frau Oberbürgermeisterin kann. Doch das hat sich verändert in den letzten sechs Jahren.»

Weber: Bei mir wird kommentiert, was ich anhabe

Frauen würden anders bewertet als Männer: «Man merkt es an vielen Dingen, angefangen davon, dass bei mir kommentiert wird, was ich anhabe oder wie ich mich gebe», sagte sie der Zeitung. «Ich bin mir sicher, dass Sie über Florian Freund weder schreiben werden, was er für einen Anzug anhat, noch dass er eine Ansage in der Verwaltung gemacht hat, weil das da eine ganz normale Angelegenheit sein wird.»

Weber, die seit 2020 Rathaus-Chefin war, hatte bei der Stichwahl im März deutlich gegen SPD-Herausforderer Florian Freund verloren. Der Sozialdemokrat kam auf rund 56,6 Prozent, die Oberbürgermeisterin nur auf 43,4 Prozent.

«Natürlich ein Einschnitt»

Sie geht nach eigenen Angaben «ohne Groll» aus dem Amt. «Wenn man in so einem Amt ist, dann weiß man zu jeder Zeit, dass es vorbei sein kann. Das habe ich vor dem 22. März immer gesagt – und ich bin sehr froh, dass ich das jetzt auch fühle», sagte sie der Zeitung (Mittwochsausgabe). «Es ist natürlich ein Einschnitt und natürlich ist es nicht schön, abgewählt zu werden, aber ich gehe in Frieden, ich gehe ohne Groll.»

Sie habe immer gesagt, «dass ich mir auch ein Leben ohne Politik vorstellen kann und dass ich mir vorstellen kann, in meinem Leben auch nochmal etwas anderes zu machen», sagte sie in dem Zeitungsinterview. Deswegen schaue sie diesem neuen Lebensabschnitt neben einem weinenden Auge auch positiv entgegen. 

Vom OB-Posten in den Stadtrat

Die erste Woche nach der Abwahl sei aber «tatsächlich schlimm» gewesen – «das sage ich auch ganz offen». «An dem Sonntagabend ist ein D-Zug durch mein Leben gerollt, weil ich tatsächlich nicht mit diesem Wahlausgang gerechnet habe.»

Weber zieht nun in den Stadtrat ein – ein ungewöhnlicher Schritt. «Es hat auch damit zu tun, dass ich es falsch fände, den Bürgerinnen und Bürgern zu signalisieren: Ah, jetzt ist sie nicht Oberbürgermeisterin geworden, jetzt zieht sie sich wie eine beleidigte Leberwurst zurück.»

Quelle: dpa

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