Formel 1 in Aserbaidschan

Russell feiert Zittersieg in Baku - Antonellis Aufholjagd

26. September 2026 , 15:17 Uhr

Kimi Antonelli zeigt in Baku sein Kämpferherz. Der WM-Spitzenreiter rast fast noch auf das Podium. Den Sieg in einer packenden Schlussphase sichert sich sein Teamkollege George Russell.

Von seinem Boss Toto Wolff bekam George Russell nach dem Formel-1-Zitterfinale von Baku Glückwünsche per Videoanruf. Der englische Mercedes-Pilot feierte in Aserbaidschan einen erst in der Endphase gefährdeten Start-Ziel-Sieg und verkürzte seinen WM-Rückstand auf Aufholjäger Kimi Antonelli immerhin auf 66 Punkte. Russell verwies bei seinem dritten Erfolg des Jahres auf atemlosen Schlusskilometern Max Verstappen im Red Bull mit einem Vorsprung von nur 0,196 Sekunden auf Platz zwei.

«Es ist ein unglaubliches Gefühl, wieder ganz oben auf dem Podium zu stehen. Ich möchte mich ganz herzlich beim Team bedanken, das auch in schwierigen Zeiten an mich geglaubt und mir geholfen hat, diese Phase zu meistern. Ich bin wirklich stolz auf dieses Wochenende», sagte Russell, der nach einer Gelb-Phase wegen eines Crashs von Cadillac-Pilot Valtteri Bottas auf der Schlussrunde extrem um seinen achten Karrieresieg bangen musste.

«Unglaubliche Leistung» von Russell

In den Häuserschluchten von Baku verpasste WM-Spitzenreiter Antonelli sein nächstes Formel-1-Wunder knapp. Beim späten Krimi am Kaspischen Meer mit zwei Safety-Car-Phasen raste der italienische Mercedes-Pilot nach einem Debakel in der Qualifikation von Position 16 aus auf Platz fünf. Drei Wochen nach seiner irren Fahrt von Rang 19 zum Sieg in Monza betrieb Antonelli wieder einmal erfolgreich Schadensbegrenzung.

Dritter bei seinem Comeback nach einer Verletzungspause wurde Isack Hadjar im zweiten Red Bull. Nach einer völlig verkorksten Qualifikation mit Rang 18 raste Nico Hülkenberg im Audi als Elfter fast noch in die Punkte.

«George war fehlerfrei, eine unglaubliche Leistung von ihm», lobte Bradley Lord, der den aus privaten Gründen verhinderten Mercedes-Teamchef Wolff an der Strecke vertrat, Rennsieger Russell. «Er war dominant von der ersten bis zur letzten Runde und hätte es nicht verdient gehabt, diesen Sieg noch zu verlieren.»

Antonellis Aussetzer «völlig unnötig»

Antonelli hatte in der Qualifikation ein Debakel erlebt. Bei einem Crash in der ersten Kurve demolierte er nach einem Fahrfehler die linke Vorderradaufhängung an seinem Mercedes irreparabel. «Es war mein Fehler, völlig unnötig», räumte der Teenager ein. «Um ehrlich zu sein, ärgere ich mich maßlos darüber.» Sein Baku-Aussetzer sei eine «sehr gute Erinnerung» daran, dass einem «nichts einfach geschenkt» werde.

Seine Hoffnung? Ein Wunder. So wie vor drei Wochen bei seinem Heimspiel im Hochgeschwindigkeitstempel von Monza. Antonelli kassierte wegen eines unerlaubten Motorenwechsels eine Startplatzstrafe und raste dennoch von Rang 19 noch zum Sieg. In den engen Straßen von Baku kam der Italiener in den ersten Runden aber nicht voran und steckte erstmal im Verkehr fest. Nach 17 von 51 Runden war Antonelli aber immerhin schon unter den Top Ten.

Verstappen konnte das Tempo von Pole-Mann Russell ebenfalls nicht mitgehen. Ein Batterieproblem bremste ihn auf der Startplatzjagd aus. «Das Wochenende lief eigentlich gut. Wenn es darauf ankommt, hat man ein Motorenproblem. Das ist absolut beschissen», klagte er.

Sauberer Start von Russell 

Mit einem neuen Motor in seinem Red Bull schob sich Verstappen früh auf Podiumskurs. Sein Teamkollege Isack Hadjar, der zuvor drei Rennen wegen einer Handgelenksverletzung verpasst hatte, musste den schnelleren Niederländer an sich vorbeiziehen lassen.

«Ich konzentriere mich auf einen sauberen Start», verkündete Russell wiederum vor dem Erlöschen der Roten Ampeln. Und das funktionierte. Der Engländer kam glänzend weg und führte das Feld durch die Häuserschluchten an. Oscar Piastri zog im McLaren schon in der ersten Kurve an Ferrari-Fahrer Charles Leclerc vorbei und war erster Verfolger des Briten. Russell war aber eine Klasse für sich und baute seinen Vorsprung auf den Australier immer weiter aus.

Eine Schrecksekunde erlebte Russell zur Halbzeit des Rennens, als er die Mauer touchierte und Sorgen um seine Reifen auf der rechten Seite des Mercedes hatte. «Es fühlt sich nicht gut an, habt bitte ein Auge auf den Reifendruck», wies er seine Box über Funk an.

Antonelli nutzt das erste Safety Car

In Runde 31 krachte Williams-Pilot Alex Albon in Kurve fünf in die Streckenmauer. Das Safety Car fuhr auf den Asphalt, das Feld zog sich zusammen. Antonelli nutzte diese Phase sofort für einen Reifenwechsel. Eine Runde später holten sich Russell und Verstappen frische Gummis.

Ein Kran barg den demolierten Williams, in Runde 35 herrschte wieder freie Fahrt. Verstappen überholte nach dem Neustart Piastri, doch dann krachte es ausgelöst von Alpine-Fahrer Franco Colapinto gleich wieder. Die Gelben Flaggen wurden geschwenkt und das Safety Car kam zurück.

Die Aufräumarbeiten waren rasch beendet – und dann musste Russell zittern. Verstappen machte mächtig Druck auf den Briten. Russell forderte eine neue Motoreneinstellung und konnte so seinen Sieg gerade noch über die Ziellinie retten.

Quelle: dpa

 

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