Mehrere Waggons des verunfallten Regionalzuges steht nahe an der Unfallstelle auf einem leeren Platz., © Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Zugunglück in Garmisch: GDL mit Thesen zu möglicher Ursache

Knapp zwei Monate nach dem Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Szenarien zu möglichen Ursachen vorgelegt. Denkbar sei ein unglückliches Zusammenwirken, hieß es am Dienstag bei der Vorstellung eines Thesenpapiers. Es solle zur Aufklärung beitragen, sagte der bayerische GDL-Vorsitzende Uwe Böhm. «Wir wollen nur, dass die Dinge bei der Staatsanwaltschaft in Erwägung gezogen werden.»

Ein Faktor könne die Verlegung eines Wildbaches vor rund 20 Jahren gewesen sein; der Bach läuft nun zwischen Bundesstraße und Gleis. Das Wasser könne zur Instabilität des sehr hohen Bahndamms beigetragen haben, erläuterten der Hamburger Nahverkehrsberater Dieter Doege und Michael Jung vom Umweltverband Prellbock Altona.

Zudem belasteten Doppelstockwagen in Kurven mit ihrem höheren Schwerpunkt die Außenschiene und damit die von dem Bach umflossene Bahndammseite besonders. Wäre das Gleis durch eine Fangschiene ergänzt worden, hätten Tote und Schwerverletzte womöglich vermieden werden können. Schon vor dem Unglück habe es Hinweise von Lokführern auf mögliche Probleme am Gleis gegeben. Zudem habe die Deutsche Bahn in der Gegend Gleisarbeiten geplant; das ging aus einer Baustelleninformation hervor. Zu fragen sei, ob nicht die Einrichtung einer Langsamfahrstelle angebracht gewesen wäre.

«Die Infrastruktur der Bahn ist marode», folgern die Autoren. «Das gesamte Netz muss saniert und modernisiert werden.»

Am 3. Juni war ein Regionalzug in Bayern von Garmisch-Partenkirchen nach München entgleist. Vier Frauen und ein 13-Jähriger starben. 16 Menschen wurden schwer verletzt.

Ermittlungen zur Unfallursache laufen noch. Die Bahn äußerte sich am Dienstag nicht – weder zu den Instandsetzungsarbeiten noch zur möglichen Schadenshöhe oder zum Zeitpunkt einer möglichen Wiederaufnahme des Schienenverkehrs.