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Zahl der Arbeitslosen steigt in Bayern wieder über 200 000

Nürnberg (dpa/lby) – Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist im Juli sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Derzeit sind knapp 202 600 Menschen im Freistaat ohne Job. Das sind 2,6 Prozent mehr als im Juni und 0,7 Prozent mehr als im Juli 2018, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Damit steige die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich zum ersten Mal seit September 2014 wieder. Die Arbeitslosenquote beträgt 2,7 Prozent, das sind 0,1 Punkte mehr als im Juni. Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Quote unverändert.

Der Anstieg im Juli habe traditionell vor allem saisonale Gründe, erläuterte Regionaldirektionschef Ralf Holtzwart. «Diese Entwicklung geht vor allem auf die Gruppe der 15- bis 25-Jährigen zurück. Nach dem Ende des Ausbildungsjahres und des Sommersemesters melden sich viele von ihnen arbeitslos.» Ab September werde allerdings schon wieder ein Rückgang in dieser Altersgruppe erwartet.

Im Jahresverlauf sei von einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit auszugehen, sagte Holtzwart. So sei das Arbeitsmarktbarometer des BA-eigenen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf 101,6 Punkte gefallen – dem niedrigsten Wert seit Sommer 2013. «Das IAB spricht von einem Konjunkturabschwung, der nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigehen wird, auch wenn er insgesamt noch auf Kurs bleibt», sagte der Regionaldirektor.

Ein Indikator für Holtzwarts Befund ist der weitere Rückgang der bei den Arbeitsagenturen verfügbaren offenen Stellen. Mit 128 768 offenen Jobs bewegt sich deren Zahl um 4,2 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Auch die den Agenturen seit Jahresbeginn neu gemeldeten Stellen liegen mit 202 153 um 22 111 oder 9,9 Prozent unter dem Vergleichswert des vergangenen Jahres.

Insgesamt wächst die Beschäftigung nach Hochrechnungen in Bayern noch. Im Mai waren im Freistaat rund 5,698 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vergleich zum Monat davor entspricht das einem Plus von 9200 Menschen oder 0,2 Prozent. Im Vergleich zum Mai 2018 ergibt sich sogar ein Zuwachs um 109 300 Arbeitnehmern oder 2,0 Prozent.

Deutliche Unterschiede gibt es in den einzelnen Branchen. Während seit Jahresbeginn in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (plus 2,2 Prozent) sowie in der öffentlichen Verwaltung (plus 8,6 Prozent) mehr Stellen als im gleichen Zeitraum 2018 gemeldet wurden, sind die Zahlen aus der Arbeitnehmerüberlassung (minus 12,2 Prozent), dem verarbeitenden Gewerbe (minus 16,7 Prozent) und dem Handel (minus 14,0 Prozent) rückläufig. Den größten Beschäftigungsaufbau verzeichnen die Informations- und Kommunikationsbranche, Dienstleistungen sowie das Baugewerbe.

Für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung wird es allerdings immer schwerer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, wie die Regionaldirektion weiter mitteilte. In dieser Gruppe stiegen die neuen Arbeitslosmeldungen im Juli um 5,1 Prozent, während gleichzeitig die Zahl der Jobangebote für Helfer um 15,1 Prozent zurückging. «Ich ermuntere alle ungelernten Arbeitnehmer, den lohnenden Weg der Qualifizierung zu gehen», sagte Holtzwart.

Arbeitsministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte, der bayerische Arbeitsmarkt zeige sich trotz sich abzeichnender Abkühlung der Konjunktur weiter stabil. Aktuell könnten rund 70 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte eine Arbeitslosenquote von unter 3,0 Prozent vorweisen. Von der hervorragenden Situation am Arbeitsmarkt profitierten besonders Langzeitarbeitslose. Seit Juli 2014 sei deren Zahl auf heute 43 204 stetig zurückgegangen. Das sei ein Rückgang um fast 40 Prozent, rechnete die Ministerin vor.

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) verwies auf vermehrte Kurzarbeitsanzeigen, die sich zwischen Juni 2018 und Juni 2019 mehr als vervierfacht habe. «Wir blicken mit Sorge auf die aktuelle Lage der Unternehmen: Arbeitszeitkonten werden abgebaut, die Zeitarbeit wird zurückgefahren, in vielen Betrieben hat der Stellenabbau begonnen», sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken, müssten Unternehmenssteuern gesenkt und der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden.