© Expa/Jfk

Reisewarnung für Tirol: Verstärkte Kontrollen an den Grenzen

Rosenheim/München/Wien (dpa/lby) – Österreich hat den Corona-Lockdown gelockert – und rät zugleich von Reisen ins eigene Bundesland Tirol dringend ab. Während Geschäfte und Schulen nach sechs Wochen unter gewissen Auflagen öffnen konnten, verhängte das Land eine Reisewarnung für Tirol wegen der dort vermehrt aufgetretenen Südafrika-Mutation.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kritisierte die österreichische Politik für ihre Öffnungsschritte. Er halte es für «diskussionswürdig, dass Österreich in dieser unsicheren Situation weitgehende Öffnungen erlaubt, obwohl die Inzidenz dort deutlich höher als in Bayern ist», sagte der CSU-Chef dem «Münchner Merkur» (Dienstag).

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe den Bund aufgefordert, eine Einstufung Tirols als internationales Hochrisikogebiet zu prüfen – dazu zählen unter anderem sogenannte Virusvarianten-Gebiete.

Experten zufolge sei die südafrikanische Mutation weitaus gefährlicher als die britische Variante. Der Krankheitsverlauf solle schwerer sein. Nun könne es sein, dass für Bayern aus Tirol wieder größere Infektionsgefahr drohe. «Diese Mutation würde uns wieder weit zurückwerfen.»

Ob der Spagat der Österreicher zwischen Ladenöffnung und Reisewarnung für Tirol auf bayerischer Seite zu Änderungen führt, war am Nachmittag offen. Zwischen Deutschland und Österreich bleibt es vorerst dabei: Diesseits wie jenseits der Grenze wird verschärft kontrolliert. «Mit Grenzkontrollen und Schleierfahndung wird das dichter kontrolliert. Sollte die Gefahr wachsen, dürfen auch Grenzschließungen zu Tirol kein Tabu sein», sagte Söder.

Holetschek hatte bereits am Vormittag gesagt: «Grenzschließungen kann man als Ultima Ratio nicht ausschließen. Aber zunächst gilt es, den Grenzverkehr auf das notwendigste Maß zu reduzieren.» Ziel müsse sein, die Infektionsketten über die Grenzen hinweg zu brechen, dazu müsse jeglicher Austausch hinterfragt werden.

Für die Nachbarn aus dem Norden ist Österreich ohnehin nur unter stark erschwerten Bedingungen besuchbar. Auch wenn ein rascher Einkaufsbummel oder ein Gang zum Friseur locken: Solche Besuche jenseits der Grenze sind – ebenso wie der Skiausflug – unzulässig: Jeder Reisende muss bei Einreise nach Österreich einen negativen Coronatest vorlegen und eine zehntägige Quarantäne einhalten. Das Freitesten nach fünf Tagen ist seit Montag abgeschafft. Pendler müssen sich – wie andere auch – nun online registrieren und einmal pro Woche einen negativen Coronatest vorzeigen.

Jeglicher Grenzverkehr zum Einkaufen oder aus touristischen Zwecken müsse unterbleiben, mahnte auch Söder im «Merkur». Ausnahmen seien nur das Berufspendeln und zwingend erforderliche Familienbesuche. Das Auswärtige Amt in Berlin riet schon vor der Reisewarnung für Tirol vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Österreich ab. Ganz Österreich – mit Ausnahme der Exklaven Jungholz und Kleinwalsertal – gilt nun als Risikogebiet.

Österreich kontrolliert seit Montag verschärft an den Grenzen – auch, um einen möglichen Einkaufstourismus zu verhindern. Unter anderem am Grenzübergang Walserberg in Richtung Salzburg gab es längere Staus. Auch auf bayerischer Seite wird engmaschiger kontrolliert, nicht zuletzt bei der Einreise aus Tirol. «Wir haben unsere Kräfte verstärkt und die Kontrollen dort nochmals intensiviert», sagte der Sprecher der Bundespolizei-Inspektion Rosenheim, Rainer Scharf. Bereits seit Freitag seien mehr Beamte im Grenzgebiet unterwegs. Einreisende würden weiter stichprobenartig überprüft.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte die Ausweitung von Gesundheitskontrollen an den Grenzen zu Österreich und Tschechien an gekündigt. Neben Bundespolizei und bayerischer Grenzpolizei seien auch Beamte der Bereitschaftspolizei eingebunden. Nach Zahlen des Ministeriums wurden seit Weihnachten rund 185 000 Kontrollen absolviert, davon allein rund 20 000 am vergangenen Wochenende. In mehr als knapp 26 500 Fällen sei Meldung an die zuständige Kreisverwaltungsbehörde erfolgt, weil beispielsweise kein Testnachweis vorgelegt wurde oder keine digitale Anmeldung vorlag.

© dpa-infocom, dpa:210208-99-349958/5