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Vom Inn an die Isar: Pelikan hat weite Reise hinter sich

München (dpa/lby) – Ein Pelikan auf der Isar in München stammt wohl aus Österreich. Der Raritätenzoo in Ebbs in der Nähe von Kufstein vermisse das Tier seit mehr als einem Monat, sagte Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) am Montag in München. Wenn das stimmt, hat der Rosapelikan eine beträchtliche Strecke von rund 85 Kilometern bewältigt. «Er kann sehr gut fliegen und er hat eine sehr gute Kondition, was man bei einem Zoovogel nicht vermuten würde», erklärte Marion Mayr, die in ihrem Zoo noch fünf weitere Pelikane hält. Das Tier war vor gut einer Woche in der Isar mitten in München gesichtet worden. Der LBV rief über Facebook dazu auf, den Standort des Pelikans zu melden, damit er gefangen werden kann.

In der Nacht zum 18. September war der zwei Jahre alte Jungvogel laut Mayr aus dem Gehege entflohen. «Normalerweise brauchen Pelikane relativ viel Anlauf, damit sie an Höhe gewinnen und rauskommen.» Ein starker Wind erleichterte ihm die Flucht, vermutet sie. Bald darauf tauchte der Vogel rund 25 Kilometer weiter im oberbayerischen Brannenburg auf, ließ sich aber nicht fangen. Danach verlor sich die Spur des Tieres, das eigentlich in Kolonien lebt und seinen natürlichen Lebensraum in Asien, Afrika oder Südosteuropa hat, etwa im Donaudelta in Rumänien.

«Wir hatten eigentlich schon damit gerechnet, dass er verhungert ist oder vom Fuchs erlegt wurde», berichtet Mayr. Doch dann schwamm der Vogel mit dem großen Schnabel auf der Isar, zur Freude vieler Spaziergänger. Kühles Wetter macht ihm nichts aus. Allerdings rätseln alle, was er frisst. «Er hat in seinem Leben noch nie einen Fisch gefangen, weil er das nicht gelernt hat», sagt Erlwein. Irgendeinen Weg muss der Pelikan aber gefunden haben, an Nahrung zu kommen. «Entweder ist er so ein gescheites und instinktiv handelndes Tier, dass er sich selber Fische fängt. Oder die Leute füttern ihn», glaubt Mayr. Sie hofft, dass der Pelikan endlich gefangen wird. Dann könnte er sogar einen Namen bekommen, meint die Zoo-Inhaberin. «Wir werden ihm wahrscheinlich einen geben müssen, so berühmt wie er jetzt ist.»

2009 hatte schon mal ein Pelikan für Aufsehen gesorgt. Er war in Nürnberg und im thüringischen Schleiz aufgetaucht und hatte sich auf seiner Reise nach Rumänien möglicherweise verflogen.