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Viele Pflegebedürftige in Heimen noch ohne dritte Impfung

München/Nürnberg (dpa/lby) – Die Bewohner von Pflegeheimen gelten in der derzeitigen Pandemie als die mit am stärksten von Corona bedrohte Gruppe. Nachdem die Pflegebedürftigen zum Jahresanfang zu den Ersten zählten, die eine Impfung bekommen haben, warten in Heimen immer noch viele Bewohner auf die Auffrischungsspritze – obwohl seit Monaten darüber diskutiert wird.

In einigen Heimen im Freistaat wurden in den vergangenen Wochen wieder Coronaausbrüche gemeldet, auch mit tödlichem Ausgang für einzelne, mitunter doppelt geimpfte Patienten. So hatten sich nach Angaben des Betreibers beispielsweise Anfang November in einem Heim in Pfaffenhausen im Allgäu 20 der 33 Bewohner infiziert, obwohl nahezu alle geimpft seien. Eine Frau sei gestorben und auch die Hälfte der Belegschaft habe sich angesteckt.

In Mertingen meldete das Landratsamt Donau-Ries bereits im Oktober einen Ausbruch mit 20 positiv auf Covid-19 getesteten Bewohnern und Mitarbeitern, es gab drei Todesfälle. Wegen einer auffälligen Häufung von Todesfällen nach einem Corona-Ausbruch in einem Heim im Landkreis Eichstätt ermittelt nun die Kripo. Im September waren binnen weniger Tage sechs Bewohner der Pflegeeinrichtung gestorben.

Gegen solche Fälle sollen die Drittimpfungen schützen. Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums gab es im Freistaat bis zum 5. November bei knapp 40.000 Pflegebedürftigen in den Heimen sogenannte Booster-Impfungen durch die Impfzentren. Dazu kommen die Männer und Frauen, die in den Einrichtungen von Hausärzten die Spritze bekommen haben. Allerdings würden die Impfungen durch die niedergelassenen Mediziner nicht so erfasst wie die der Impfteams, die von den Impfzentren in die Altenheime geschickt werden, erläuterte ein Ministeriumssprecher.

Das Ministerium in München geht davon aus, dass die Hausärzte mindestens ähnlich viele Heimbewohner bereits nachgeimpft haben wie die Impfzentren. Bei geschätzten 127.000 Pflegefällen bleibt allerdings eine erhebliche Lücke – wohl etwa ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner dürfte demnach noch keine dritte Impfung erhalten haben. Nach Angaben des Ministeriumssprechers hätten die Impfzentren mittlerweile «nahezu vollständig» die Alten- und Pflegeheime kontaktiert. Wo Impfaktionen noch nicht stattgefunden haben, seien diese geplant.

In den größten Städten des Freistaats sind die Booster-Impfungen in den Pflegeeinrichtungen ebenfalls ein Thema der Verwaltungen. So seien in der Landeshauptstadt seit Mitte Oktober von den mobilen Teams des Impfzentrums in 17 Einrichtungen Impfungen vorgenommen worden, berichtete das Münchner Gesundheitsreferat. «Es werden laufend Termine vereinbart, daher kann keine exakte Zahl genannt werden, wie viele Impf-Aktionen in Alten- und Pflegeeinrichtungen geplant sind», sagte ein Sprecher.

Die Stadt Nürnberg hat nach eigenen Angaben vor etwa sechs Wochen die 50 Heime in der Stadt angeschrieben und Impfaktionen von mobilen Teams angeboten. «Rund ein Drittel davon hat das Angebot angenommen und wurde bis Ende Oktober versorgt», sagte ein Sprecher. Weitere Impfaktionen seien in den nächsten Wochen geplant. Andere Heime hätten der Stadt mitgeteilt, dass die dritten Impfungen durch Hausärzte erfolgen sollten. Manche Senioren seien auch erst zur Jahresmitte geimpft worden, bei denen stehe die Auffrischung im Dezember an.

In Augsburg gab es bereits in allen fünf von der Stadt selbst betriebenen Altenheimen seit September Booster-Impfungen. Voraussetzung sei, dass die vorangehende Impfung bereits sechs Monate zurückliege, erklärte eine Sprecherin der Altenhilfe Augsburg. Dies sei aber noch nicht in allen Fällen erfüllt. «Weitere Termine sind in den Senioreneinrichtungen fortlaufend und bereits im November, Dezember und Januar vorgesehen», sagte sie. Zahlen für die Impfangebote in den mehr als 20 von anderen Trägern betriebenen Augsburger Heimen sind nicht bekannt.

Darüber hinaus arbeiten die Kommunen derzeit daran, die Corona-Vorschriften für die Pflegeeinrichtungen weiter zu verschärfen, auch über die Vorgaben des Landes hinaus. In Augsburg würden solche Schritte derzeit in der Behörde diskutiert, berichtete die Stadt. Auch in München wird an einer neuen Allgemeinverfügung gearbeitet, die unter anderem sehr umfangreiche Vorgaben zu Coronatests für die Beschäftigten in den Heimen enthält.

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