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Verbände: Obere Isar schützen und Wasserkraft neu regeln

Walchensee (dpa/lby) – Naturschützer fordern beim künftigen Betrieb des historischen Walchenseekraftwerks Einschränkungen zugunsten der Natur. Es seien vor einer weiteren Genehmigung wissenschaftliche Untersuchungen notwendig, um den Erhalt der einzigartigen Lebensräume und Arten an der Oberen Isar sicherzustellen, verlangte ein Bündnis aus 13 Natur- und Sportverbänden am Montag mit Blick auf das Auslaufen der Konzession zur Energieerzeugung im September 2030.

Die Erlaubnis dürfe nur befristet für maximal 20 Jahre erteilt werden. Sie müsse zudem flexibel gestaltet werden, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können. Die Organisationen fordern in 16 gemeinsamen Positionen auch mehr Einbindung bei dem Verfahren.

Seit fast 100 Jahren verursache das Kraftwerk erhebliche Schäden am Ökosystem der Oberen Isar, die als Deutschlands letzter naturnaher Wildfluss gelte. Die Ausleitung von Wasser aus der Isar und ihren Nebengewässern zum Kraftwerk-System führe zu Wasserknappheit und Verbuschung; sie beraube den Fluss seiner Kraft. Das behindere die Umlagerung von Kies und damit das Entstehen neuer Lebensräume für an diesen Wechsel angepasste Arten.

Ein offener Planungsprozess mit verschiedenen Szenario-Berechnungen sei notwendig, um die Alternative auszuwählen, die den Naturschatz Obere Isar am besten erhalte, sagte der Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), Richard Mergner. Der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Nobert Schäffer, sagte: «Auch wenn die Bedeutung regenerativer Energien als wichtiger Bestandteil der Energiewende zunimmt, muss es das oberste Ziel sein, den einzigartigen Wildflussabschnitt künftig entsprechend der gesetzlichen Vorgaben und wesentlich besser als heute zu schützen.»

Der Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, Manfred Sailer, mahnte, der Freistaat trage Verantwortung, dass die Wildflusslandschaft nicht für energiewirtschaftliche Interessen weiter degeneriert werde.

Das Walchenseekraftwerk gilt als ingenieurtechnisches Meisterwerk und Industriedenkmal. Mit seinen meterdicken Röhren ist es über dem Kochelsee weithin sichtbar.

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