Der Augsburger Florian Niederlechner (l) spielt gegen Kevin Behrens von Union Berlin den Ball., © Matthias Koch/Matthias Koch/dpa

Unruhe im Paradies: Niederlechner beschäftigt FC Augsburg

Im Fünf-Sterne-Ressort des FC Augsburg an der Costa Blanca könnte es so beschaulich sein. Die Fußballer des Bundesligisten sind auf der Anlage in Algorfa bis auf wenige Golf-Gäste, die sich auf dem 18-Loch-Kurs ausleben wollen, und einer Delegation des FC St. Gallen aus der Schweiz weitgehend unter sich. Als «ein Paradies» bezeichnet sich das schicke Ressort selbst. In Ruhe könnte Trainer Enrico Maaßen daher seine Mannschaft auf den Neustart nach der WM-Winterpause vorbereiten. Wären da nicht die Umbauarbeiten am Kader des Tabellen-14. Und da spielt Florian Niederlechner eine wichtige Rolle.

Seit seinem Wechsel vom SC Freiburg im Sommer 2019 hat sich der Oberbayer in Augsburg zur Identifikationsfigur entwickelt. Es gab Phasen, da war der Stürmer aus der Mannschaft gar nicht wegzudenken. Dann gab es Phasen, in denen das dem jeweiligen Trainer eigentlich doch ganz leicht fiel. In dieser Saison hat sich Niederlechner aber wieder einen Stammplatz erkämpft und kam an der Seite von Mergim Berisha zum Einsatz. Immerhin vier Treffer gelangen dem mittlerweile 32-Jährigen.

Niederlechner wollte für sich und seine Familie nun Planungssicherheit, sein Vertrag in Augsburg ist nur noch bis zum 30. Juni datiert. Die Führungsetage in der Fuggerstadt bot ihm aber offensichtlich nicht, was er sich vorgestellt hatte, also entschied sich Niederlechner für einen Wechsel. Hertha BSC hat den Angreifer ab Sommer verpflichtet und ihm einen Vertrag über zwei Jahre gegeben. Aber bleibt er überhaupt bis zum Sommer in Augsburg?

Nach dem Abgang von Davie Selke zum 1. FC Köln haben die Berliner, ein direkter Konkurrent von Maaßens Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt, eine Planstelle frei. Ein vorzeitiger Wechsel Niederlechners würde – den brisanten sportlichen Hintergrund einmal außen vor – aber eine Ablöse kosten. Die Augsburger müssten selbstverständlich Ersatz holen.

Über seine Beweggründe für den Wechsel zu Hertha BSC äußerte sich der meinungsstarke Niederlechner im Interview der «Augsburger Allgemeinen». Eigentlich tat er es auch wieder nicht, da das Interview nie erschien. «Das ist eine bewegende Situation für mich. Nach einer Nacht Schlaf habe ich festgestellt, dass gerade nicht der richtige Zeitpunkt für ein Interview ist», begründete Niederlechner seine Entscheidung, sich von seinen Aussagen soweit zu distanzieren, dass sie im Wortlaut nicht veröffentlicht wurden.

Im Winter vor einem Jahr hatte Niederlechner ein Angebot von Chicago Fire aus der US-Profiliga MLS über drei Jahre erhalten. Der FC Augsburg ließ ihn damals aber nicht ziehen. Im Sommer soll es dann wieder eine Offerte für den Stürmer gegeben haben, diesmal soll sich Niederlechner dafür nicht begeistert haben. «Ich bin froh, dass er da ist und er macht es gut», sagte Trainer Maaßen über seinen Bald-Abgang. «Wir haben miteinander gesprochen, solange er da ist, gibt er 100 Prozent Gas.»

Manager Stefan Reuter muss sich beim Kaderumbau in Spanien mit weiteren Personalien beschäftigen. Ecuadors WM-Teilnehmer Carlos Gruezo (27) soll sofort in die USA wechseln wollen. Im defensiven Mittelfeld werden als möglicher Ersatz Diego Demme (31/SSC Neapel) oder Tim Breithaupt (20/Karlsruher SC) gehandelt.

Im Angriff, wo Niederlechner beheimatet ist, gibt es Spekulationen über den Spanier Toni Martinez (25/FC Porto). Für die rechte offensive Außenbahn wird der Ghanaer Emmanuel Yeboah (19/CFR Cluj) genannt.