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Tochter von NSU-Opfer fordert weitere Aufklärung

München (dpa) – Einen Tag vor dem Urteil im NSU-Prozess hat die Hinterbliebene eines NSU-Mordopfers weitere Aufklärung des rechtsextremen Terrornetzwerks gefordert. Gamze Kubasik, die Tochter des in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik, sagte am Dienstag in München, die Mörder hätten Unterstützer vor Ort gehabt. «Ich möchte, dass alle Helfer, die man kennt, angeklagt werden.»

Rechtsanwalt Sebastian Scharmer, der Kubasik im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht vertritt, bezeichnete die These vom «abgeschotteten, isolierten NSU-Trio», das allein für alle zehn Morde verantwortlich sein solle, als «Mythos». Helfer und möglicherweise weitere Mittäter «laufen auch heute noch frei herum», vermutete Scharmer.

Im Prozess um den Terror des «Nationalsozialistischen Untergrunds» soll an diesem Mittwoch das Urteil gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe und vier mitangeklagte mutmaßliche Terrorhelfer gesprochen werden. Der Prozess dauerte über fünf Jahre und umfasste 437 Verhandlungstage. Die Bundesanwaltschaft fordert für Zschäpe lebenslange Haft und sieht die Hauptangeklagte als Mittäterin der fast durchweg rassistisch motivierten Morde und Anschläge von den Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die sich nach einem missglückten Banküberfall das Leben genommen hatten.

Zschäpes Verteidiger halten die angeklagten Taten dagegen für nicht bewiesen und plädieren für eine zeitlich begrenzte Haftstrafe wegen Brandstiftung. Zschäpes Vertrauensanwälte halten außerdem eine Bestrafung wegen Beihilfe zu Raubüberfällen für angemessen.