Oscar Otte in Aktion., © Sven Hoppe/dpa

Aus gegen Zverev-Schreck: Tennisprofi Otte verpasst Finale

Unter den Augen von Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann und Skisprung-Legende Gregor Schlierenzauer demonstrierte Oscar Otte sein ganzes Tennis-Repertoire. Von gefühlvollen Stopps über einen Zauberschlag durch die Beine war alles dabei. Am Ende war Zverev-Bezwinger Holger Rune aber auch für den Kölner zu stark. Trotz 4:1-Führung im ersten Satz musste sich der 28 Jahre alte Deutsche im Halbfinale von München mit 4:6, 4:6 geschlagen geben und verpasste so sein erstes Finale auf der ATP-Tour.

«Es ist gerade immer noch bisschen schwierig, das zu verkraften. Es war eine gute Woche. So hätte sie nicht enden sollen», sagte Otte. Beim Stand von 4:1 im ersten Satz hatte er den Turnierarzt gerufen und eine Tablette bekommen. «Magenkrämpfe, Sodbrennen», berichtete der Kölner anschließend. Danach sei nicht mehr viel drin gewesen. «Als hätte jemand den Stecker gezogen», beschrieb Otte das Gefühl.

Der dänische Youngster Rune, der erst am Freitag seinen 19. Geburtstag gefeiert hatte, trifft in seinem Premieren-Endspiel dieser Kategorie auf den Niederländer Botic van de Zandschulp. Der Skandinavier hatte sich in den letzten zwölf Monaten um mehr als 200 Plätze im Ranking verbessert und gilt als eines der größten Tennis-Talente.

«Es fühlt sich irreal an. Dass ich jetzt im Finale stehe, habe ich nicht erwartet», sagte Rune nach dem größten Erfolg seiner Karriere. Von Turnierdirektor Patrik Kühnen hatte der Däne eine Wildcard erhalten. «Mein großes Ziel ist es, irgendwann Nummer eins zu werden. Das ist vielleicht ein Anfang», sagte die Nachwuchshoffnung.

Auf dem nahezu ausverkauften Center Court auf der Iphitos-Anlage startete Otte furios und führte nach wenigen Minuten 4:1. Leichte Fehler von der Grundlinie brachten Rune zurück in die Partie. Der Teenager gewann fünf Spiele in Folge und nutzte nach 46 Minuten mit einem Vorhand-Winner seinen ersten Satzball.

Angepeitscht von den Zuschauern spielte Otte weiter mutig und suchte die schnelle Entscheidung. Vor allem mit seinen Netzangriffen war der Deutsche zunächst immer wieder erfolgreich – bis zum 4:4, als er einen leichten Volley nur mit dem Rahmen traf. Die Vorentscheidung.

Die deutschen Hoffnungen ruhen nun auf dem Duo Kevin Krawietz und Andreas Mies. Deutschlands bestes Doppel, das bereits zweimal zusammen die French Open gewinnen konnte, setzte sich im Halbfinale am Samstag gegen den Briten Lloyd Glasspool und den Finnen Harri Heliovaara mit 7:5, 6:3 durch. Im Finale am Sonntag (11.00 Uhr) peilen Krawietz und Mies ihren zweiten Titel innerhalb einer Woche an. Zuletzt hatten sie sich den Titel in Barcelona gesichert.