Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, spricht bei der Innenministerkonferenz in Würzburg., © Daniel Vogl/dpa

Streit um Olympia-Attentat: Bayern legt alle Akten offen

Im Streit um die Aufarbeitung des Olympia-Attentats vor 50 Jahren in München hat Bayern nach eigenen Angaben alle bisher noch nicht öffentlich zugänglichen Akten für Jedermann publik gemacht. «Wir haben von bayerischer Seite alle Akten den Staatsarchiven übergeben», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag bei der Konferenz der Innenminister von Bund und Ländern in Würzburg.

«Es gibt jedenfalls von Bayern aus keinerlei Akten mehr, die nicht zugänglich wären», betonte er. Dies sei auch nochmals überprüft worden. Zuvor hatte bereits der «Münchner Merkur» darüber berichtet. Herrmann räumte ein, dass möglicherweise Akten des Bundes noch nicht veröffentlich sein könnten.

Die Planungen für eine Gedenkfeier zum Jahrestag des palästinensischen Anschlags am 5. September liefen gemeinsam mit den israelischen Stellen und seien einvernehmlich, sagte Herrmann. «Wir gehen davon aus, dass auch hochrangige Vertreter des israelischen Staates daran teilnehmen werden.» Im Gespräch ist eine Teilnahme des israelischen Präsidenten Izchak Herzog sowie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Dagegen hatten die Hinterbliebenen der bei dem Attentat ums Leben gekommenen Athleten und Offiziellen des israelischen Olympia-Teams von 1972 schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden erhoben und mit dem Fernbleiben von der Gedenkfeier gedroht. Es seien zahlreiche Akten nicht zugänglich, hatte die Sprecherin der Hinterbliebenen, Ankie Spitzer, beklagt. Sie forderte zudem Entschädigungen von Deutschland. Die Bundesregierung betrachtet die Entschädigungsfrage jedoch als abgeschlossen.

Bei dem Attentat waren elf Mitglieder des israelischen Olympia-Teams, ein deutscher Polizist und fünf der Terroristen umgekommen. Die palästinensischen Terroristen hatten in der Team-Unterkunft der Israelis Geisel genommen. Später verlagerte sich das Geschehen auf den Militärflugplatz Fürstenfeldbruck. Der Einsatz der Polizei zur Befreiung der Geiseln ist umstritten. Kritiker werfen den Verantwortlichen für den Einsatz mehrere schwere Fehler und Pannen vor.

Der Streit um die Aufarbeitung und vor allem die Entschädigung der Hinterbliebenen schwelt seit Jahrzehnten. Deutschland hatte im Jahr 2002 als «humanitäre Geste» einen Betrag von rund drei Millionen Euro ausgezahlt. Die Hinterbliebenen halten eine Entschädigung in mehrfacher Höhe für angemessen.