© Eranga Jayawardena

Sri Lanka: Ex-Verteidigungsminister wird neuer Präsident

Colombo (dpa) – Sri Lanka steht vor einem Machtwechsel. Der 70-jährige frühere Verteidigungsminister und Oppositionspolitiker Gotabhaya Rajapaksa hat die Präsidentschaftswahl mit 52,25 Prozent der Stimmen gewonnen, wie die Wahlkommission am Sonntag mitteilte.

Er rief seine Anhänger auf Twitter auf, den Sieg friedlich zu feiern. Der unterlegene Kandidat der Regierungspartei, Sajith Premadasa, räumte die Niederlage ein und sprach von der «friedlichsten Präsidentschaftswahl in der Geschichte unserer unabhängigen Republik».

Im Wahlkampf hatten beide Kandidaten das Thema Sicherheit in den Mittelpunkt gerückt. Ostern 2019 hatten Anschläge von Islamisten die Insel erschüttert, beim Angriff auf Kirchen und Luxushotels starben 268 Menschen. Seither leidet die Wirtschaft von Sri Lanka unter einer Touristenflaute – ein Problem, das Gotabhaya Rajapaksa zu lösen versprochen hat.

Insgesamt waren 35 Kandidaten angetreten, die Wahlbeteiligung unter den knapp 16 Millionen Wahlberechtigten lag bei 84 Prozent. Wahlbeobachter meldeten mehrere gewalttätige Vorfälle am Rande der Abstimmung, laut Wahlkommission beeinträchtigte aber nichts davon die Wahl.

Rajapaksa soll bereits an diesem Montag als Präsident des Inselstaats im Indischen Ozean vereidigt werden. Mit der Niederlage des Kandidaten der Regierungspartei traten drei Minister aus dem Kabinett zurück. Der neue Präsident darf ein neues Kabinett mit Ministern seiner Wahl berufen.

Rajapaksa ist der jüngere Bruder des früheren Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 amtierte. Als Verteidigungsminister war er damals verantwortlich für den Militäreinsatz gegen tamilische Aufständische. Mit der Niederschlagung des Aufstandes endete nach mehr als einem Vierteljahrhundert der Bürgerkrieg vor zehn Jahren.

Kritiker werfen Gotabhaya Rajapaksa vor, damals sehr brutal vorgegangen zu sein. Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen ging Rajapaksa als Verteidigungsminister außerdem gegen kritische Journalisten vor, auch bediene er sich einer gegen die tamilische und muslimische Minderheit gerichteten Rhetorik.