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Söder: Zu viel Unvernunft im Umgang mit Corona

Nürnberg (dpa/lby) – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich über zu viel Unvernunft in der Bevölkerung im Umgang mit dem Coronavirus beklagt. «Meine Sorge ist, ehrlicherweise, dass wir zwar medizinisch besser gewappnet sind, aber dass wir uns im Moment tatsächlich mit mehr Unvernunft umgeben», sagte Söder am Freitag beim Besuch des Nürnberger Südklinikums. «Ich mache mir schon Sorgen», fügte Söder hinzu.

«Zu glauben, dass um uns herum die Zahlen explodieren und auch die Krankenhäuser langsam wieder volllaufen und zu glauben, das hätte mit uns nichts zu tun – das ist zumindest etwas blauäugig», sagte der Ministerpräsident mit Blick auf drastisch gestiegene Infektionszahlen in Ländern wie Frankreich.

Entscheidend sei, dass eine exponentielle Kurve auf alle Fälle vermieden werden müsse, um einen weiteren Lockdown zu vermeiden. Dazu gehöre es, den Regelbetrieb von Schulen und Kindergärten aufrechtzuerhalten, die Wirtschaft am Laufen zu halten und das tägliche Leben so wenig wie möglich einzuschränken.

Corona bleibe beherrschbar, solange das Infektionsgeschehen auf dem bisherigen Niveau bleibe und lokal eingedämmt werden könne. Frühes und schnelles Testen bleibe deshalb eine Chance, die Verbreitung der Infektion zu verhindern. «Wir brauchen für Corona einen langen Atem.»

Im Hinblick auf eine angekündigte Demonstration von Gegnern der Corona-Beschränkungen am Samstag in München sagte Söder: Es deute sehr viel darauf hin, dass es sich um ein ähnliches Demonstrationsgeschehen handeln könnte wie bei den Protesten in Berlin Ende August. «Wir achten sehr darauf, wenn es um die Grenzen von Freiheit und Demokratie geht», sagte Söder. «Es gibt das Recht, auch absurde Theorien zu vertreten», sagte der Regierungschef. «Aber was nicht geht, ist, wenn die Demokratie als Ganzes in Frage gestellt wird.» Manche Verbindungen von Verschwörungstheorien und anti-demokratischen Theorien seien sehr ernst zu nehmen.