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Schulfrei am Buß- und Bettag, doch Eltern arbeiten

München (dpa/lby) – Eltern arbeiten, Schülerinnen und Schüler haben jedoch frei: Am Buß- und Bettag sind vor allem berufstätige Väter und Mütter von Grundschulkindern vor die Frage gestellt, wie die Kinder betreut werden können. Denn seit 1995 ist der für evangelische Christen wichtige Tag kein gesetzlicher Feiertag mehr. Unterricht an den bayerischen Schulen gibt es am Mittwoch (17. November) aber trotzdem nicht. Dass sich hier etwas ändern könnte, zeichnet sich aber nicht ab. Man habe keinen Spielraum, die gesetzliche Regelung sei klar, heißt es aus dem Kultusministerium.

In Corona-Zeiten dürfte sich das Betreuungsproblem für viele Familien noch verschärfen. In den Jahren zuvor hatten sich viele Arbeitgeber kulant gezeigt, die Mitarbeiter durften ihre Kinder mit ins Büro nehmen oder es gab Aktionen der Firmen für den Nachwuchs ihrer Beschäftigten. Auch Kirchengemeinden machten Angebote, wie etwa Kinderbibeltage für Grundschülerinnen und -schüler. Diese Alternativen fallen wegen der Infektionsgefahr in diesem Jahr weg.

Hintergrund für den unterrichtsfreien Buß- und Bettag ist eine gesetzliche Regelung, wonach evangelische Arbeitnehmer an diesem Tag nicht zur Arbeit müssen – sofern sie religiöse Gründe geltend machen, also zum Beispiel einen Gottesdienst besuchen wollen. Gäbe es Unterricht an den Schulen, würden Lehrer benachteiligt. «Um dies zu vermeiden, entfällt der Unterricht an den Schulen», teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Für Lehrerinnen und Lehrer sei der Buß- und Bettag zwar ein unterrichtsfreier, nicht aber ein dienstfreier Tag, betonte Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Für die Lehrkräfte bedeute dies ein Dilemma, weil viele Menschen davon ausgingen, sie hätten an dem Tag frei ebenso wie die Schüler. Dem sei aber nicht so: Es gebe Fortbildungsveranstaltungen – entweder überregional oder auch an den Schulen selbst.

Der Buß- und Bettag dient evangelischen Christen zur Besinnung, aber auch zur Neuorientierung. Nach Auffassung der evangelischen Kirche hat der Tag nicht nur eine private, sondern auch eine gesellschaftspolitische Bedeutung. Deshalb solle er auch zum Nachdenken über «gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Fremdenhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen» anregen. Ein gesetzlicher Feiertag ist der Buß- und Bettag nur noch in Sachsen.

Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm feiert am Mittwochvormittag einen Gottesdienst zum Buß- und Bettag in der Münchener Matthäuskirche.

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