© Peter Kneffel

Schließung der Seniorenresidenz Schliersee kein Einzelfall

München (dpa/lby) – Die Schließung der Seniorenresidenz Schliersee wegen Pflegemängeln ist kein Einzelfall in Bayern. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in München gibt es aktuell mindestens zwei sogenannte Betriebsuntersagungsverfahren bei Altenheimen in Bayern. «Zudem hat im August von sich aus eine Einrichtung in Coburg geschlossen, im September eine weitere von sich aus in Burglengenfeld, jeweils im Vorgriff eines Betriebsuntersagungsverfahrens», berichtete eine Ministeriumssprecherin am Dienstag.

Das Heim im oberbayerischen Schliersee (Landkreis Miesbach) musste zu Ende September schließen, nachdem die Aufsichtsbehörde eingeschritten war und die Pflegekassen den Versorgungsvertrag gekündigt hatten. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt seit langem wegen des Verdachts auf Körperverletzung in Dutzenden Fällen. Es soll in dem Heim verwahrloste und unterernährte Menschen gegeben haben, auch Todesfälle werden untersucht.

Am Dienstag war das Heim Thema im Gesundheitsausschuss des Landtags. Das Ministerium hat dazu einen Bericht vorgelegt, über den im Vorfeld bereits der Bayerische Rundfunk berichtet hatte. «Es bestehen in Bayern derzeit mehrere Einrichtungen, die im Zusammenhang mit einer Betriebsuntersagung zu sehen sind», heißt es in dem Bericht.

In zahlreichen weiteren Heimen sind darüber hinaus in der Vergangenheit bei Überprüfungen «erhebliche Mängel» festgestellt worden. Im Jahr 2019 seien solche Mängel in 173 Einrichtungen dokumentiert worden, heißt es in dem Bericht. «Ein erheblicher Mangel liegt dann vor, wenn eine Gefahr für Leben, Gesundheit oder Freiheit der Bewohnerin bzw. des Bewohners besteht.»

© dpa-infocom, dpa:211109-99-927547/4