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Rost an Halterung: Grundeigentümer dürfen Maibaum verbannen

München (dpa/lby) – Ein Maibaum kann Gefahren bergen – und wenn ein Grundstückseigentümer den Baum deshalb nicht mehr auf seinem Boden haben möchte, muss er weg. Das Amtsgericht München verurteilte nach Angaben vom Freitag damit einen Verein zur Beseitigung eines Maibaumes.

Eine Gemeinschaft von Wohnungseigentümern in München hatte dem Verein in den 1990er Jahren vertraglich erlaubt, den Baum auf eigene Kosten und Risiko aufzustellen. Nach einem Sturm musste die Feuerwehr den etwa 30 Meter hohen Baum 2015 umlegen, weil er sich in der Halterung gelockert hatte und bedenklich schwankte. Nach längeren Diskussionen mit Stadt und Versicherung und nach einem TÜV-Gutachten wurde er wieder aufgestellt, allerdings ohne Motivtafeln und Kranz.

Im vergangenen Jahr brachte der Verein die Wappentafeln und zwei Kränze wieder an. Ein Maibaum ohne Tafeln sei wie ein Auto ohne Räder, argumentierte der Verein. Ein Gutachten, das dem Baum trotz mittlerweile deutlich angerosteter Halterung bei Sturm auch mit dem Schmuck Standsicherheit bescheinigt hätte, holte der Verein nicht ein.

Die Eigentümergemeinschaft fürchtete deshalb, bei Unfällen haften zu müssen; der Versicherungsschutz sei wegen Verletzung von Bedingungen erloschen. Der Richter am Amtsgericht gab ihr im Februar Recht. Für Kündigungen von Gefälligkeitsverhältnissen genüge ein vernünftiger Grund. Dieser sei gegeben: Grundsätzlich bedeutet das Aufstellen eines Maibaums eine erhebliche Gefahrenquelle für Dritte.

Der Streit ist auch jetzt zum 1. Mai noch nicht ausgestanden: Der Verein hat Berufung eingelegt, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.