Das Logo der Arbeitsagentur, © Peter Steffen/dpa-tmn/Symbolbild

Mehr Arbeitslose im Juli

In Bayern waren im Juli mehr Menschen arbeitslos als noch im Vormonat. Die Zahl stieg um 3,6 Prozent auf 238.839, wie die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag zum Stichtag 12. Juli bei 3,2 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli sei saisonüblich und zudem beeinflusst durch die Registrierung ukrainischer Geflüchteter, sagte der Chef der Regionaldirektion, Ralf Holtzwart: «Eine Entwicklung, mit der wir gerechnet haben.»

Ohne die ukrainischen Arbeitslosen wäre die Arbeitslosigkeit – wie saisonal üblich – von Juni auf Juli um 4116 oder 2 Prozent gestiegen.

«Viele Unternehmen sind derzeit auf der Suche nach Arbeitskräften. Die meisten ukrainischen Geflüchteten stehen dem Arbeitsmarkt aktuell noch nicht zur Verfügung, da für sie das Erlernen der deutschen Sprache an erster Stelle steht», sagte Holtzwart weiter. «Zu einem späteren Zeitpunkt werden diejenigen, die nicht in ihre Heimat zurückkehren, aber sicherlich ins Berufsleben einmünden.»

Die bayerische Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) sagte laut Mitteilung, es gelte jetzt, die Integration der ukrainischen Geflüchteten in den Arbeitsmarkt gezielt zu unterstützen. «Die Chancen dafür stehen gut: Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften ist unverändert hoch und die Geflüchteten sind gut qualifiziert. Wichtig ist eine schnelle und effiziente Anerkennung der ukrainischen Berufsabschlüsse.»

Zugleich lenkte die Regionaldirektion den Blick auf den Ausbildungsmarkt. Nach den Ferien starten viele junge Menschen am 1. September eine Lehre. Mehr als 45.000 Ausbildungsstellen sind nach Angaben der Regionaldirektion noch unbesetzt. Und knapp 16.000 junge Menschen haben noch keinen Ausbildungsplatz oder eine Weiterbildungsmöglichkeit gefunden.

Für Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sind die aktuellen Zahlen vom Arbeitsmarkt nicht besorgniserregend. Er verwies darauf, dass in vielen Branchen händeringend nach Personal gesucht wird. «Weil Arbeitskräfte fehlen, müssen viele Unternehmen Aufträge ablehnen oder können ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Es wäre falsch, hier einseitig auf Zuwanderung zu setzen. Wir brauchen auch gute Rahmenbedingung, um mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen, die heute schon bei uns sind», teilte er mit.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, sagte, es gebe trotz der nun gestiegenen Zahlen weiterhin «gute Beschäftigungschancen für alle Bevölkerungsgruppen. Viele Branchen haben sogar zunehmend Schwierigkeiten, ihren Arbeits- und Fachkräftebedarf zu decken. Das ist ein strukturelles Problem durch die demografische Entwicklung.»

Jedoch fürchtet er negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sollte die angespannte Situation bei den Energiepreisen und der -versorgung weiter andauern.

«Der drohende Gaslieferstopp liegt bleiern über dem bayerischen Arbeitsmarkt», kommentierte Bernhard Stiedl, Vorsitzender des DGB Bayern, die Zahlen. «Noch bleibt Politik und Arbeitgebern Zeit, sich vorzubereiten. Diese muss aber auch genutzt werden. Die aus Berlin verkündeten Sicherheitsversprechen müssen mit entsprechenden Maßnahmen, etwa einer Neujustierung der Kurzarbeitergeldregelung, hinterlegt werden. Aber auch von den Arbeitgebern erwarten wir jetzt konkrete betriebliche Pläne, wie Beschäftigung im Krisenfall gesichert werden kann.»