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Arbeitslosigkeit in Bayern steigt über vier Prozent

Nürnberg (dpa/lby) – Die Arbeitslosigkeit in Bayern ist im August weiter gestiegen. Wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Nürnberg mitteilte, waren rund 308 000 Menschen im Freistaat arbeitslos – das entspricht 4,1 Prozent der Erwerbstätigen. Im Juli waren rund 296 000 Menschen ohne Job, die Quote hatte bei 3,9 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen in Bayern im August sogar um fast 89 000.

Viele Jüngere hätten sich nach Ende des Ausbildungsjahres und des Sommersemesters arbeitslos gemeldet, erklärte der stellvertretende Leiter der BA-Regionaldirektion Süd, Klaus Beier, in Nürnberg. Durch die Corona-Krise «ist die Chance, aus der Arbeitslosigkeit eine Beschäftigung zu finden, insgesamt gesunken. Nicht zu vergessen ist auch, dass viele Unternehmen noch in Kurzarbeit sind und der strukturelle Wandel den Transformationsprozess beschleunigt», sagte Beier.

Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) sagte: «Mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent steht Bayern zwar im August im bundesweiten Vergleich erneut am besten da. Die Quote liegt aber auch sehr deutlich über der Vorjahresmarke von 2,9 Prozent.» Auch die hohe Zahl der Kurzarbeiter zeige, dass Corona den Arbeitsmarkt weiter schwer belaste.

Je nach Ort sind die Unterschiede gewaltig. In der Stadt Schweinfurt stieg die Arbeitslosenquote auf 7,6 Prozent. Auch in Hof, Nürnberg und Augsburg liegt sie über 7 Prozent. Am niedrigsten ist sie derzeit in Eichstätt mit 2,3 Prozent, in Neumarkt in der Oberpfalz und im Donau-Ries-Kreis.

Bis August wurden den bayerischen Arbeitsagenturen 101 000 Lehrstellen und gut 68 000 Bewerber gemeldet – jeweils deutlich weniger als im Vorjahr. Aber «die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist nach wie vor hoch», betonte Beier. Corona habe die Anstellung von Azubis oft nur verzögert; kein Jugendlicher solle sich entmutigen lassen, wenn er jetzt noch keine Stelle habe: «Die 10 621 Bewerber, die derzeit noch keine Ausbildung oder eine Alternative gefunden haben, können aus 32 094 unbesetzten Lehrstellen wählen. Jedem unversorgten Bewerber stehen aktuell noch drei freie Ausbildungsstellen zur Verfügung.»

Die meisten Ausbildungsstellen seien für Kaufleute, Verkäufer, Zahnmedizinische Fachangestellte und Kfz-Mechatroniker gemeldet worden. Die meisten Bewerber wollten Kaufmann, medizinische Fachangestellte, Kfz-Mechatroniker oder Verkäufer werden.

Bei der Meldung freier Arbeitsstellen gibt es Licht und Schatten. Die Stellenmeldungen stiegen im August den vierten Monat in Folge. Aber das Angebot liegt mit rund 94 000 freien Stellen 27 Prozent unter Vorjahresniveau.

Insgesamt waren in Bayern im August 5,685 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Kräftig geschrumpft ist die Beschäftigung in der Metall- und Elektroindustrie – dort wurde der rückläufige Trend durch die Corona-Krise noch verstärkt. «Dabei arbeitet jeder sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Freistaat in der Branche, sie ist damit von großer Bedeutung für die bayerische Wirtschaft», erklärte Beier. Das Ifo-Institut teilte am Dienstag mit, in der Autoindustrie bleibe die Beschäftigungssituation «angespannt, die Unternehmen planen weiter mit Personalabbau».

Stark gesunken sei die Beschäftigung auch in der Zeitarbeit und im Gastgewerbe, teilte die BA-Regionaldirektion mit. Die öffentliche Verwaltung sowie das Gesundheits- und Sozialwesen meldeten dagegen mehr Stellen als im vergangenen Jahr.

Der bayerische DGB-Chef Matthias Jena sagte: «Trotz der sich abzeichnenden Stabilisierung des Arbeitsmarktes gibt es noch keinen Grund zur Entwarnung.» Arbeitslose und Kurzarbeiter müssten nun weitergebildet und qualifiziert werden.

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt, sagte: «Corona hat den bayerischen Arbeitsmarkt weiter fest im Griff. Die Zahlen zeigen, dass eine schnelle Arbeitsmarkterholung nicht zu erwarten ist. Kurzarbeit und staatliche Hilfen verhindern weiterhin Schlimmeres und werden daher auch mittelfristig noch nötig sein.» Auch die Aussetzung der Pflicht zur Insolvenzanmeldung helfe.