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Situation an Kliniken wird ernster: Corona-Zahlen steigen

München (dpa/lby) – Die Situation an den Krankenhäusern in Bayern wird angesichts weiter stark steigender Corona-Zahlen ernster – auch wenn die Staatsregierung noch keine Engpässe sieht. In einzelnen Häusern werden laut Intensivregister die Intensivbetten knapp, die Zahl der Covid-Patienten nimmt zu, das Personal wird knapper.

Die Infektionszahlen gingen am Montag weiter in die Höhe, auch aus Senioreneinrichtungen kamen wieder schlechte Nachrichten. So haben sich in Markt Schwaben (Landkreis Ebersberg) 34 von 40 Bewohnern eines Pflegeheimes infiziert, aus einer Einrichtung in Ochsenfurt (Landkreis Würzburg) wurden 72 positive Befunde gemeldet.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) steht die Corona-Ampel inzwischen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten auf Rot, vielerorts auch auf Dunkelrot. Insgesamt stieg die Zahl der Corona-Fälle in Bayern auf 109 898, mehr als 2500 mehr als am Sonntag. Die Zahl der Corona-Toten stieg um fünf auf 2811.

Der am Montag gestartete, auf vier Wochen angesetzte Teil-Lockdown hat in Bayern eine Vielzahl von Klagen heraufbeschworen. Dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München lagen am Montag mehr als ein Dutzend Klagen gegen die Vorschriften vor. Wie ein Gerichtssprecher berichtete, seien bis Montag 13 Normenkontroll-Eilverfahren und 2 Hauptsacheverfahren eingegangen. Laut VGH betreffen die Verfahren hauptsächlich die Schließung von Hotels für Touristen sowie das Verbot, Gäste in Restaurants zu bewirten.

Das kommunale Krankenhaus im oberbayerischen Bad Aibling (Landkreis Rosenheim) nimmt wegen eines Corona-Ausbruchs vorläufig keine Patienten mehr auf – eine Situation, wie es sie vor einigen Tagen bereits in Schongau gegeben hatte. Wie die Klinik am Montag berichtete, sind mittlerweile elf Mitarbeiter und neun Patienten positiv getestet worden. Deswegen würden nun keine Patienten mehr stationär aufgenommen und auch nicht mehr ambulant behandelt, geplante Operationen seien abgesagt.

Insgesamt steigt die Zahl der Intensivpatienten, die wegen Covid-19 in bayerischen Krankenhäusern in Betten mit Beatmungsmöglichkeiten betreut werden müssen. Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums wurden am Montag 2 309 Patienten in Intensivbetten mit Möglichkeit zur Beatmung behandelt, davon waren 251 Patienten an Covid-19 erkrankt. 743 solcher Betten waren am Montag noch frei.

Bisher sind die meisten Krankenhäuser den Aufrufen, etwa der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), nicht dringend notwendige Operationen zu verschieben, nicht nachgekommen. «Solange die Ressourcen zur Behandlung von Nicht-Corona-Patienten da sind, die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter gewährleistet ist und das allgemeine Infektionsgeschehen es nicht erfordert, spricht nichts dagegen, dass wir unserem regulären Versorgungsauftrag nachkommen», sagte eine Sprecherin der Gruppe Schön Klinik, die mehrere Kliniken in Bayern betreibt, am Montag auf Anfrage.

Bayerns Staatsregierung sieht – anders als die Vereinigung der Pflegenden – derzeit noch keinen Engpass beim Pflegepersonal auf den Intensivstationen im Freistaat. «Bislang ist dem Gesundheitsministerium noch kein Engpass beim Pflegepersonal bekannt», sagte ein Ministeriumssprecher am Montag auf dpa-Anfrage. «Wir beobachten die Entwicklung aber genau.» Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern hatte zuvor massive Engpässe beklagt und vor einem Zusammenbruch des Systems gewarnt.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) habe sich vorsorglich an Bundesminister Jens Spahn (CDU) gewandt und um Wiederaussetzung der Pflegepersonaluntergrenzen insbesondere für die Intensivstationen gebeten. «Den Krankenhäusern muss die in dieser Situation notwendige Flexibilität beim Einsatz des vorhandenen Personals gegeben werden», hieß es aus dem Ministerium. Es müsse klar sein, dass ausreichende personelle Kapazitäten nötig seien, um vorhandene Intensivbetten auch tatsächlich belegen zu können.

Nach DIVI-Angaben müssen im Winterhalbjahr nach langjährigen Erfahrungen 20 Prozent der Intensivbetten gesperrt werden, weil nicht ausreichend Personal zur Verfügung gestellt werden kann.

Nach geltenden Regelungen liegt die Personaluntergrenze derzeit auf Intensivstationen bei 2,5 Patienten pro Pflegekraft tagsüber und 3,5 Patienten nachts. «Das sind absolute Untergrenzen!», sagte eine Sprecherin der Vereinigung der Pflegenden in Bayern. «In einem Herzzentrum würde niemand auf die Idee kommen, einer Pflegekraft 2,5 Patienten aufzubürden.» Das Personal sei schon nach dem Frühjahr über der Belastungsgrenze gewesen, die Situation sei eher noch schlimmer geworden.

Laut Intensivregister stehen derzeit in Deutschland 28 824 betreibbare Intensivbetten zur Verfügung, für die auch Personal zur Verfügung steht, in Bayern sind es 4087 Betten. Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums wurden am Montag 2 309 Patienten in Intensivbetten mit Möglichkeit zur Beatmung behandelt, davon waren 251 Patienten an Covid-19 erkrankt. 743 solcher Betten waren noch frei.