Drei Männer in der Anklagebank des Landgerichtes., © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Angeklagte streiten Mordversuch an Rentnerpaar ab

Der Vorfall, den der Staatsanwalt am Dienstag vor dem Augsburger Landgericht aus der Anklage verließt, gleicht einem Albtraum: Ein älteres Ehepaar liegt im Dezember 2021 nachts schlafend im Bett, plötzlich stehen da zwei fremde Männer in ihrem Schlafzimmer und schlagen unvermittelt brutal auf die Eheleute ein. Der Anklage nach ist es das blutige Ende eines Diebstahlversuches. Die Einbrecher vermuteten in dem Haus im Augsburger Stadtteil Bergheim demnach eine große Menge an Bargeld.

Mit schweren Blutungen und Gesichtsfrakturen wird das Rentnerpaar nach dem Angriff ins Krankenhaus gebracht. Der damals 83-jährige Mann schwebt zeitweise in Lebensgefahr und wird an einem Auge blind. Er und seine 71 Jahre alte Frau müssen mehr als zwei Wochen im Augsburger Universitätsklinikum behandelt werden – teils auch auf der Intensivstation. Die beiden mutmaßlichen Angreifer und ein Dritter, der den Einbruch mit geplant haben soll, müssen sich nun wegen versuchten Mordes verantworten.

Nach den Aussagen von zwei der Angeklagten war der gewalttätige Angriff auf die Eheleute aber nicht so geplant. Beide räumen zum Prozessauftakt ein, dass in das Haus der Eheleute eingebrochen wurde, um Geld zu stehlen. Die Anwendung von Gewalt sei von ihm aber «weder geplant noch gebilligt» gewesen, sagte der 33 Jahre alte Rumäne, der den Einbruch der Anklage nach zwar initiierte, selber aber nicht beim dabei gewesen sei. Er habe für das Ehepaar zuvor als Handwerker gearbeitet und mitbekommen, dass der Rentner Bargeld oft aus dem Obergeschoss des Hauses holte. Um an dieses Geld zu kommen habe er die beiden ebenfalls rumänischen Männer engagiert, um in das Haus einzusteigen.

Einer der Männer, ein 34 Jahre alter Kampfsportler, gesteht, mehrfach auf den Rentner eingeschlagen zu haben. Er habe ein Telefon in der Hand des 83-Jährigen vermutet, Panik bekommen und daher zugeschlagen. «Es war der größte Fehler meines Lebens», übersetzt die Dolmetscherin seine Aussage. «Mein Mandant bedauert die Vorkommnisse zutiefst», sagte auch sein Verteidiger. Auch sein Kokain- und Marihuana-Konsum unmittelbar vor der Tat sei Schuld – er wolle es «aber nicht allein darauf schieben». Der Rumäne habe nicht für möglich gehalten, dass das Paar in Folge der Schläge sterben könnte.

Der zweite Mann gab zu, ebenfalls im Haus gewesen zu sein. Er bestritt aber, an dem blutigen Angriff beteiligt gewesen zu sein. Er habe in der Tür gestanden und sei von der Gewalt seines Mitangeklagten «erschüttert» gewesen, lässt der 38-Jährige von seinem Verteidiger verlesen. «Dies wollte er auf gar keinen Fall».

Da die Täter zunächst fliehen konnten, richtete die Kriminalpolizei eine Sonderkommission mit 25 Beamtinnen und Beamten ein. Mehrere Wochen später wurde einer der drei Angeschuldigten in Augsburg festgenommen. Die zwei weiteren Tatverdächtigen konnten in Rumänien gefasst werden, sie wurden kurz darauf nach Deutschland ausgeliefert. Für den Prozess sind zunächst zehn Verhandlungstage bis Ende März geplant.