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Planen über ICE-Strecke waren wohl Protest gegen Maßnahmen

Karlstadt (dpa/lby) – Fünf Wochen nach der Notbremsung eines ICE in Unterfranken vermutet die Polizei, dass Gegner der Corona-Maßnahmen für die gefährliche Aktion verantwortlich sind. Die Ermittler verdächtigen ein Paar aus dem Landkreis Bad Kissingen. Im Blick sei aber auch das Umfeld des 36-jährigen Mannes und seiner zwei Jahre jüngeren Ehefrau, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag.

Am Mittwoch hatten Polizisten drei Wohnungen in Bad Bocklet, Bad Kissingen und Oberthulba durchsucht. Mobiltelefone und Datenträger wurden beschlagnahmt. Die Verdächtigen seien allerdings weiter auf freiem Fuß. «Es gibt keinerlei Haftgründe wie Fluchtgefahr oder Verdunklungsgefahr», sagte der Polizeisprecher. Daher säßen sie nicht in Untersuchungshaft.

Am 6. Januar hatte ein aus Schweinfurt kommender ICE eine durch Holzlatten gespannte Plane auf der Bahnstrecke durchfahren. Der Lokführer leitete eine Notbremsung auf der Schnellfahrstrecke ein. Verletzt wurde niemand. Der Triebwagen wurde leicht beschädigt. Polizisten fanden später entlang der Bahnstrecke zwischen Waigolshausen und Gemünden weitere, ebenfalls mit Holzlatten über die Gleise gespannte Plakate und entfernten sie.

Aus ermittlungstaktischen Gründen hatte die Polizei zunächst nicht mitgeteilt, was auf den Planen stand. Aufgrund des Inhalts deutete laut Polizei allerdings vieles darauf hin, dass es sich um eine Protestaktion von Gegnern der Corona-Maßnahmen gehandelt hat. Eine Sonderkommission wurde gegründet.

Nach dem Zeugenhinweis konzentrierten sich die Beamten dann auf das Ehepaar und dessen Umfeld. Dem Polizeisprecher zufolge ist es unwahrscheinlich, dass nur zwei Menschen alle Planen alleine aufgestellt haben. Am Tatort seien damals Spuren gesichert worden. Es werde nun geprüft, ob sie nur von dem Ehepaar stammen oder von weiteren Menschen.

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