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Lange Haftstrafen in Bestechungsprozess gefordert

Augsburg (dpa/lby) – Im Prozess um ein millionenschweres Bestechungssystem bei den Lech-Stahlwerken in Schwaben hat die Staatsanwaltschaft für die beiden Hauptangeklagten lange Haftstrafen verlangt. Der Top-Manager des Werks und der Unternehmer, der ihn geschmiert haben soll, sollen nach Ansicht der Staatsanwältin fünfeinhalb beziehungsweise sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Für einen ebenfalls angeklagten Steuerberater verlangte sie drei Jahre Haft. Die Vorwürfe aus der Anklage hätten sich voll bestätigt, sagte sie am Mittwoch vor dem Landgericht Augsburg.

In dem Prozess geht es laut Anklage um 830 000 Euro Bestechungsgeld. Der eine Angeklagte soll dafür vom Stahlwerk Aufträge in Millionenhöhe erhalten haben, sein Profit beträgt nach Ansicht der Staatsanwältin mehr als fünf Millionen Euro.

Die Verteidiger der Hauptbeschuldigten machten für das Korruptionssystem hauptsächlich einen mittlerweile verstorbenen Chef des Stahlwerks verantwortlich. Er sei der «Dreh- und Angelpunkt», «die Spinne im Netz» gewesen und habe die Auftragnehmer zu Schmiergeldzahlungen erpresst. Der angeklagte Stahlwerks-Manager habe mitgemacht, ihm sei jedoch nur Beihilfe vorzuwerfen, sagten dessen Anwälte und forderten eine maximal zweieinhalbjährige Haftstrafe.

Die Anwälte des beschuldigten Subunternehmers verlangten eine Bewährungsstrafe von höchstens einem Jahr und acht Monaten. Die Anwälte des Steuerberaters, dem unter anderem die Weiterleitung von Schmiergeld vorgeworfen wird, verlangten einen Freispruch. Ihr Mandant habe den Hintergrund des Geldes nicht gekannt.

Das Urteil in dem Prozess soll kommenden Mittwoch verkündet werden.

Die Lech-Stahlwerke produzieren nach eigenen Angaben mit rund 800 Mitarbeitern jährlich etwa 1,1 Millionen Tonnen Stahl.

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