Passionsspiele: Stückl will Spielrechtsreform

Der Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, verlangt eine Öffnung des strengen Spielrechts für erst kürzer im Ort lebende Zugezogene und Flüchtlinge. Bisher darf nur spielen, wer in Oberammergau geboren ist oder mindestens 20 Jahre im Dorf lebt. Das sei ein «Unrechtsgesetz» und «ziemlich dämlich», kritisierte Stückl am Freitag zur Passions-Halbzeit. «Wer hier wohnt, soll mitspielen.» Die Regel grenze aus und behindere Integration.

Für Stückl wären zweieinhalb bis drei Jahre praktikabel. Denn in diesem Zeitraum vor einer Passion werden die Spieler registriert. «Es ist wichtig, dass man junge Leute integriert», sagt Stückl. «Integration hat nichts damit zu tun, wie lange jemand hier ist.»

Nach der Regelung müssten manche fast 30 Jahre warten, da die Passion nur alle zehn Jahre stattfindet. Kinder und Jugendliche dürfen aber schon jetzt mitspielen, egal wie lange sie in der Gemeinde wohnen.

Auch der Geschäftsführer der Passion Walter Rutz sagt: «Man braucht eine neue Regelung.» Die 20-Jahres-Regel gilt nach seinen Worten seit den Passionsspielen von 1960. Hintergrund soll damals vor allem der Zuzug von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen sein, die nicht mitspielen sollten. Zuvor galt eine Zehn-Jahresregel.

Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) geht davon aus, dass das Thema vor der nächsten Passion 2030 erneut im Gemeinderat landet. 2016 war dort ein Versuch gescheitert, die Wartezeit auf 15 Jahre zu verkürzen.

Stückl, der die Passion zum vierten Mal inszeniert, hat das jahrhundertealte Spiel grundlegend erneuert. Der 60-Jährige hatte seinerzeit das Spielrecht für alle Frauen unterstützt, bis 1990 durften nur unverheiratete Frauen unter 35 auf die Bühne. Er gab erstmals Protestanten und später Muslimen Hauptrollen. Vor allem befreite er die Passion von christlichen Anti-Judaismen.