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Ordensschwester wegen Kirchenasyl vor Gericht

Würzburg (dpa/lby) – Sie habe nicht anders gekonnt: Mit diesen Worten hat eine Ordensschwester aus dem Kloster Oberzell vor Gericht beschrieben, wie sie zwei ausreisepflichtigen Frauen Kirchenasyl gewährt habe. «Ich musste die beiden Frauen ins Kirchenasyl aufnehmen, um sie zu schützen», sagte Ordensschwester Juliana Seelmann am Mittwoch vor dem Amtsgericht Würzburg.

Die Oberzeller Franziskanerinnen hatten in den Jahren 2019 und 2020 jeweils eine Nigerianerin für vier Monate beziehungsweise gut zwei Monate ins unterfränkische Kloster Oberzell in Zell am Main (Landkreis Würzburg) aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft Würzburg wirft der Menschenrechtsbeauftragten des Klosters daher «Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt» vor.

Die Frauen waren aus den Händen von Menschenhändlern geflohen, die sie unter anderem in Italien zur Prostitution gezwungen hatten, wie Schwester Juliana vor Gericht erzählte. «Es ist unsere Aufgabe, Menschen wieder ein Leben in Würde und nicht als «Sexspielzeug» zu geben», sagte die 38-Jährige.

In beiden Fällen hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Zulassung eines Asylverfahrens abgelehnt. Nach dem Dublin-Verfahren sollten die Frauen nach Italien zurück, da sie dort die Europäische Union (EU) zum ersten Mal betreten und sich registriert hatten.

Die Ankunft der Frauen habe das Kloster vorschriftsgemäß den Behörden gemeldet. Aus Sicht der Ordensgemeinschaft wurden die beiden Fälle genau abgewogen. «Wir gewähren Kirchenasyl nur dann, wenn es in Härtefällen nötig ist», sagte Schwester Juliana. Es sei eine «ultima-ratio-Entscheidung» gewesen.

Das Urteil soll noch am heutigen Mittwoch fallen.

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