Der norwegische Triathlet Kristian Blummenfelt siegte auch bei der Ironman-WM., © Sebastian Gollnow/dpa

Blummenfelt beendet deutsche Ironman-Ära – Haug Dritte

Kristian Blummenfelt hat mit der Krönung seines Abräumer-Jahres die deutschen Ironman-Ära bei den Männern beendet,

Anne Haug reichte eine famose Laufleistung nicht mehr zum erneuten Triumph. Trotz eines beherzten Auftritts konnte Haug bei der Nachhol-Weltmeisterschaft über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen in St. George ihren Titel nicht verteidigen. «Es war unglaublich hart», sagte Haug: «Das war Sterben auf Raten.»

Einen letztlich souveränen Sieg feierte die Schweizer Top-Triathletin Daniela Ryf und krönte sich damit bereits zum fünften Mal. Zweite wurde Kat Matthews aus Großbritannien, dann kam Haug mit der schnellsten Marathon-Zeit im Frauen-Feld ins Ziel. «Man hat kein Abo auf den Sieg», betonte Haug, die völlig erschöpft im Zielraum gelegen hatte.​

Blummenfelt erneut überragend

Dort hatte einige Minuten zuvor Blummenfelt das nächste Kapitel seiner grandiosen Erfolgsgeschichte geschrieben. Der 28 Jahre alte Norweger wurde im vergangenen Jahr Olympiasieger in Tokio, gewann den WM-Titel über die Kurzdistanz und stellte bei seinem Ironman-Debüt eine Weltbestzeit auf. In St. George, offiziell die WM 2021, bestätigte Blummenfelt in einem allerdings ausgedünnten Profifeld unter anderem ohne die Mehrfach-Weltmeister Jan Frodeno nach einem Teilriss der Achillessehne und Patrick Lange nach einer Schulterverletzung seine Extraklasse.

Zweiter bei der ersten WM nicht auf Hawaii wurde Lionel Sanders aus Kanada vor Braden Currie aus Neuseeland. Als bester Deutscher kam Florian Angert aus Weinheim bei seiner WM-Premiere auf den starken fünften Platz. «Ich war noch nie so froh, das Ziel zu sehen», sagte Angert in der Übertragung des Hessischen Rundfunks. Mit Platz 14 musste sich Ex-Weltmeister Sebastian Kienle abfinden, der mit seinem Triumph 2014 die Ära der deutschen WM-Erfolge eingeleitet hatte. 2015, 2016 und 2019 hatte Frodeno gewonnen, 2017 und 2018 Lange.

Boris Stein wurde 17. in St. George, für Andreas Dreitz endete das Rennen vorzeitig und schmerzvoll. Der gebürtige Lichtenfelser kollidierte mit einem Motorrad, das seiner Schilderung zufolge «plötzlich» auf einer engen Straße ohne Ausweichmöglichkeiten gestoppt hatte. Bei dem Aufprall zog sich der 33-Jährige auch eine Verletzung am Lendenwirbel zu, wie er in der Nacht auf Sonntag in den Sozialen Netzwerken schrieb. Bei seinem Rad brach die Vorderradgabel.

2019 vor über 900 Tagen hatte sich auch Anne Haug zur Ironman-Weltmeisterin gekrönt. Als am Samstag um 06.15 Uhr Ortszeit eine Miniatur-Kanone die 40 Profi-Männer ins Wasser des Sand Hollow Park Reservoir schickte, hatte sie noch fünf Minuten mehr Zeit. Etwa 16 bis 18 Grad war das Wasser kalt, anders als auf Hawaii im warmen Pazifik trugen alle wärmende Neoprenanzüge. Haug, die mit den insgesamt 20 Profi-Frauen ihren kräftezehrenden Arbeitstag begann, trug unter ihrer rote Badekappe mit der Aufschrift F1 noch eine Neoprenkappe.

Auf den knapp vier Kilometern Schwimmen wird kein Ironman gewonnen, aber verloren, heißt es. Also ging es für Angert, der von den insgesamt vier deutschen Profi-Männern als stärkster Schwimmer gilt, und für Haug, die ihre Stärke erst am Ende des Tages beim Laufen hat, darum, entweder direkt in der Führungsgruppe dabei zu sein oder in einem Verfolgerpack, das stark auf dem Rad ist. Die Rechnung ging auf bei Angert, der als Fünfter aus dem Wasser und auf seine blau-metallic lackiertes Rad stieg und Haug, die sich in der Verfolger-Gruppe unter anderem Ryf halten konnte.

Schlechter lief es für Kienle, der fast viereinhalb Minuten langsamer als Angert war. Beim Wechsel aufs Rad bekam er dann den Rennanzug zunächst nicht richtig zu, der Helmverschluss muckte auch noch. Blummenfelt, der mit einem durchaus eigenwilligen neuen High-Tech-Rad unterwegs war, hielt sich in der Verfolgung auf, fuhr erstmal sein eigenes Rennen. Seine Zeit würde noch kommen.

So wie von Anne Haug? Nachdem sie mit Mühe den nassen Neopren-Anzug über die Knöchel geschoben hatte, musste sie im Verlauf des Radfahrens die Verfolger-Gruppe mit Ryf davonfahren lassen und eine Weile mutterseelenallein Kilometer um Kilometer abspulen. Eine weitere mentale Belastung. Kein Blick für die mitunter beeindruckende Kulisse bei strahlendem Sonnenschein und die massiven roten Canyons.

Harte Radstrecke

Fast zweieinhalbtausend Höhenmeter, immer auf und ab, auch der Radkurs hatte mit dem auf Hawaii wenig zu tun. Kienle lag rund 30 Kilometer vor dem Wechsel in die Laufschuhe über sieben Minuten hinter der Spitze. Ein Platz auf dem Podest wie 2019 auf Hawaii als Dritter – weit weg.

Genau wie für Anne Haug Platz eins. Über eine Viertelstunde Rückstand hatte sie beim Wechsel auf die Laufstrecke auf Ryf. «Anne wird nicht taktisch laufen», kündigte Coach Lorang an. Motto: All in! «Die will nicht die ruhige Kugel schieben.» Und so griff Haug an, machte Minute um Minute gut, während Angert sein Spezialnahrungspaket verpasste, das erstmal verdauen und gegen Ende mächtig kämpfen musste: «Die letzten fünf Kilometer hatte ich nur noch Krämpfe.»