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Ökostrom-Branche attackiert CSU: Windkraft am Ende

München (dpa/lby) – Naturschützer und die bayerische Ökostrom-Branche rebellieren gegen die weitgehende Blockade der Windenergie im Freistaat. Der Bund Naturschutz forderte die Staatsregierung am Donnerstag in München in Vereinigung mit dem Bundesverband Windenergie und dem Landesverband für erneuerbare Energien auf, die seit fünf Jahren geltenden Abstandsvorschriften für Windräder zu Wohnhäusern abzuschaffen. «Die Politik zerstört die Zukunftsbranche Windenergie in Deutschland grob fahrlässig, wenn sie jetzt nicht aktiv wird», sagte Ariane Lubberger, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Windenergie in Bayern.

Der frühere Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte 2014 als Reaktion auf Bürgerproteste gegen Windräder die Hürden für neue Windräder erhöht, ein Wortführer der Windrad-Gegner im Kabinett war Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU). Seither gilt die sogenannte 10-H-Regel, was bedeutet, dass der Abstand eines Windrads zur nächsten Siedlung im Regelfall das Zehnfache der Bauhöhe betragen muss. Bei 200 Meter Rotorhöhe sind das zwei Kilometer.

Seither werden in Bayern kaum noch Windräder gebaut, heuer wurden demnach weniger als zehn neue Windräder beantragt. «Bayern ersetzt den mit der Stilllegung von Atomkraftwerken wegfallenden Atomstrom jetzt auch durch Import von Atom- und Kohlestrom», kritisierte der LEE-Landesvorsitzende Raimund Kamm.

Bayern war vor fünf Jahren das erste Bundesland, das Beschränkungen für die Windkraft einführte, nachdem sich Bürgerinitiativen formierten. Inzwischen will die Staatsregierung mehr Windräder in den Bayerischen Staatsforsten bauen lassen.

Allerdings hat die restriktive bayerische Linie mittlerweile Schule gemacht. Das Bundeswirtschaftsministerium will eine 1000-Meter-Abstandsregel einführen und erntete damit wütende Proteste der Branche.