Der Mond steht im Morgenlicht hinter einem Kreuz auf einem Kirchturm., © Bernd Weißbrod/dpa/Symbolbild

Nach Bischofsrücktritt: Weihbischof leitet Erzdiözese

Noch ist völlig offen, wann die katholische Kirche einen Nachfolger für den zurückgetretenen Bamberger Erzbischof Ludwig Schick präsentiert. Bis dahin wird Weihbischof Herwig Gössl die Erzdiözese leiten. Das Domkapitel wählte den 55-Jährigen zum Diözesanadministrator, wie ein Sprecher am Mittwoch mitteilte. Vertreten wird er vom bisherigen Generalvikar Georg Kestel.

Wie am Tag zuvor bekannt geworden war, hatte der bisherige langjährige Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ein Rücktrittsgesuch im Vatikan eingereicht – Papst Franziskus hat es nun akzeptiert. Nach zwei Jahrzehnten an der Spitze des Erzbistums begründete der 73-Jährige den Schritt damit, dass er bevorstehende wichtige Entscheidungen und Weichenstellungen einem jüngeren Nachfolger überlassen möchte.

Am Mittwochmorgen feierte Schick zu Allerseelen einen Gottesdienst im Bamberger Dom – zum ersten Mal als Erzbischof außer Dienst. «Ich muss mich daran gewöhnen, Sie auch. Aber wir in Franken sagen: Das wird schon», sagte Schick zu den Gläubigen.

Der Nachfolger von Schick braucht nach Einschätzung des Kirchenrechtlers Thomas Schüller gute Nerven. «Sicherlich wird man jemand suchen, der angesichts der heftigen Polarisierungen in der deutschen Kirche die Gabe des Zusammenbringens hat, einen moderaten und erfahrenen Mann mit guten Nerven», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Leider ist der Pool geeigneter Kandidaten durch den eklatanten Priestermangel sehr eingeschränkt.»

Wer es wird, sei «schwer zu sagen», sagte Schüller – «weil nach Bayernkonkordat der Papst ja nicht frei ernennen kann, sondern aus der Liste der Vorgeschlagenen einen neuen Erzbischof ernennen muss». Es hänge also «alles an den Vorschlägen des Bamberger Domkapitels, der amtierenden bayerischen Bischöfe und des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, der in dieser Funktion ein Vorschlagsrecht hat».

Wann ein neuer Erzbischof für die etwa 630.000 Katholikinnen und Katholiken feststeht, ist noch völlig offen. Im bayerischen Konkordat, dem Staatskirchenvertrag zwischen dem Heiligem Stuhl und dem Freistaat aus dem Jahr 1924, heißt es: «In der Ernennung der Erzbischöfe und Bischöfe hat der Hl. Stuhl volle Freiheit.» Aber Franziskus bekommt Entscheidungshilfen: Das Bamberger Domkapitel und die Bischofskonferenz schicken die Namen geeigneter Kandidaten nach Rom.

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern würdigte den zurückgetretenen Bamberger Erzbischof: Der Chef des Laiengremiums, Joachim Unterländer, beschrieb Schick als einen Bischof, der sich Änderungen nicht verschließe und seine Kirche voranbringe und zukunftsfest machen wolle. Schicks Vorschläge etwa zur Frauenweihe, zur Aufhebung des Pflichtzölibats oder zur Amtszeitbeschränkung für Bischöfe zeugten davon, sagte Unterländer laut Mitteilung vom Mittwoch.

Die Reform-Organisation «Wir sind Kirche» teilte mit, Schick habe in den vergangenen Jahren ein Programm für die Zukunft der Kirche vorgestellt: «Verwurzelung im Glauben und ein offenes Ohr für die Menschen. Nicht die Institution Kirche ist wichtig, sondern die Menschen sind Kirche, für sie ist die Kirchenleitung da.»

Die Bayreuther evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner erklärte, sie bedauere den Rücktritt Schicks. «In der Ökumene war er mir ein verlässlicher Partner auf dem Weg zu mehr Gemeinschaft aus der Quelle gemeinsam gepflegter Spiritualität. In keiner noch so schwierigen Situation habe ich ihn ohne Zuversicht des Glaubens erlebt. Das ist wohl seine größte Gabe.»