Blick auf die Justitia über dem Eingang eines Landgerichts., © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Mutmaßlicher S-Bahn-Schubser hält Opfer für Teufel

Der Fall eines S-Bahn-Schubsers wird seit Montag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts München I verhandelt. Beschuldigt ist ein 42-Jähriger, der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft München I einen Mordversuch begangen hat, dabei aber wegen einer psychischen Krankheit schuldunfähig war. Ende November 2021 soll er am Stachus einen 38-Jährigen gezielt vor eine hereinfahrende S-Bahn gestoßen haben. Das alkoholisierte Opfer wurde von dem Zug erfasst und überlebte schwer verletzt. Ihm musste das linke Bein unterhalb seines Knies amputiert werden.

Der Beschuldigte gab vor Gericht an, er habe in dem 38-Jährigen den «Teufel gesehen, den er umbringen sollte». Der prophetische Auftrag hierfür sei ihm von «den Gläubigen und Gott» erteilt worden. Den Unterschied zwischen Gläubigen und Teufeln habe er an der Mund- und Nasenpartie eines Menschen erkannt.

Seit 2016 leidet der in Ägypten geborene Mann der Staatsanwaltschaft zufolge an einer paranoiden Schizophrenie. Kurz vor der Tat habe er auf die Einnahme seiner Medikamente verzichtet, was seinen psychischen Zustand deutlich verschlechterte habe. Er habe auch bei zwei anderen Gelegenheiten töten wollen, gab der 42-Jährige vor Gericht zu.

Bei seinen Ausführungen vor der großen Strafkammer brach der Mann immer wieder in spontanes Lachen aus. Das Opfer, das als Zeuge geladen war, schrie in Richtung des Beschuldigten: «Du hast mir mein Leben genommen». Es sind sechs weitere Verhandlungstage angesetzt.