© Sebastian Gollnow

München debattiert Grenzen für Hochhäuser

München (dpa/lby) – Zwei Ballons sollen den Münchnern beim Umgang mit neuen Hochhäusern helfen: Am Donnerstag ließ die Verwaltung der Landeshauptstadt die vier Meter breiten Flugobjekte im Stadtteil Neuhausen gen Himmel steigen, um zu «demonstrieren, wie sich die an diesem Standort diskutierten Hochhäuser in die Silhouette der Stadt einfügen». 155 Meter hoch könnten die beiden Neubauten in dem angedachten Stadtquartier rund um die Paketposthalle werden. Im Zuge des Projekts diskutiert München über seine Grenzen für Hochhäuser – wieder einmal.

Jahrhundertelang war in diesem Bereich die Frauenkirche das Maß aller Dinge: Höher als ihre 99 Meter durfte in München niemand bauen. Das hat sich inzwischen geändert: Seit 2004 steht ein 146 Meter hohes Gebäude am Georg-Brauchle-Ring; die im selben Jahr fertiggestellten Highlight Towers in der Parkstadt Schwabing sind mit 126 und 113 Metern ebenfalls höher als das Wahrzeichen der Landeshauptstadt.

Aus Sorge um das historische Stadtbild Münchens gab es noch im selben Jahr einen Bürgerentscheid. Er verpflichtete die Stadt, 100 Meter Höhe bei Neubauten nicht zu überschreiten. Allerdings war er rechtlich nur ein Jahr lang bindend. Auch wegen des zunehmenden Mangels an Wohnraum entschied sich die Stadt im Jahr 2018, ihre Leitlinien zum Thema Hochhäuser weiterzuentwickeln – und auszuloten, wo hohe Bauten heutzutage besser oder weniger gut möglich sind.

Abgeschlossen ist dieser Prozess nach Angaben des Referats für Stadtplanung bislang nicht. Der Entwurf werde derzeit mit Anregungen aus der Bürgerbeteiligung überarbeitet; ein Ergebnis solle dem Stadtrat im Frühjahr 2022 vorgelegt werden.

Unterdessen läuft schon die nächste Bürgerbeteiligung, speziell zu den in Neuhausen angedachten Zwillingstürmen. Mehr als 120 Münchner wirken nach Angaben der Stadt derzeit an einem Bürgergutachten zu den Plänen mit. Außerdem laufe eine Untersuchung zu der Frage, wie sich die beiden 155 Meter hohen Bauten ins Stadtbild einfügen würden. Kritik gab es vor allem daran, dass die Hochhäuser vom Nymphenburger Schlossrondell aus zu sehen wären. Das gelte aber auch für den Olympiaturm, argumentiert die Stadt. Zudem bilde das Rondell «keine klassische Sichtachse» wie Maximilianstraße und Maximilianeum.

Wie hoch die Hochhäuser letztlich werden, steht nach Angaben der Stadt bislang nicht fest. Helfen sollen bei der Entscheidung nun die Ballons – vor allem den Münchnern, die am Bürgergutachten mitwirken.

© dpa-infocom, dpa:210930-99-423546/2